Schliessen
2026
Thomas Stüssi Diamonds are not forever 14.2.2026–12.4.2026
Zum virtuellen Rundgang

Artist Talk, Donnerstag, 12. März, 19 Uhr

In seinen Installationen und Aktionen entwendet Thomas Stüssi den Orten, Räumen, Dingen ihre eigentliche, ihre angestammte Funktions- und Gebrauchsweise und deutet sie einfach um. Er hat es nicht so mit den Kräften und Gesetzmässigkeiten, er hebelt sie einfach aus und verleiht so den Dingen, den Räumen und auch dem Blick der Betrachtenden eine unerwartete Leichtigkeit.

Zwei Wochen lang suchte Thomas Stüssi im Crater of Diamonds State Park in Arkansas nach Diamanten. Nach Tagen des Zweifelns und körperlicher Erschöpfung fanden er und sein Assistent schliesslich einen 0,47-Karat-Diamanten – klein, aber makellos. Die Erfahrung wurde für ihn zur Metapher für die Suche nach dem Unbekannten. Diesen Diamanten hat er zu Graphit umgewandelt, um daraus einen Bleistift zu fertigen mit dem er Diamanten zeichnet.

*1978, lebt und arbeitet in Zürich und Teufen AR, www.stüssi.tv

Thomas Stüssi Diamonds are not forever 14.2.2026–12.4.2026
2025
Othmar Eder / Gisela Hoffmann fragile 25.10.2025–14.12.2025
Zum virtuellen Rundgang

Vernissage 25. Oktober, 16 Uhr
Abendführung mit Artist Talk 13. November, 19 Uhr
Finissage, 14. Dezember, 11 bis 16 Uhr

Das Zeichnen von Linien, ob auf Papier oder im Raum, prägt das Schaffen von Othmar Eder und Gisela Hoffmann. So entstehe im Zusammenwirken fragile Gebilde, die einen Schwebezustand beschreiben.

Die Linien in Gisela Hoffmanns Werk beschreiben Lineaturen, ziehen Grenzen oder konturieren Flächen. Der Raum wird dabei immer von ihren Linien definiert.

Othmar Eder taucht in seiner Arbeit in die Welt der Urner Strahler ein. Seine Faszination für die Mineralien und die Menschen, die sie suchen, verarbeitete er in Zeichnungen, Videos und Audioaufnahmen.

Othmar Eder / Gisela Hoffmann fragile 25.10.2025–14.12.2025
Fabio Melone Tra cielo e pelle 16.8.2025–5.10.2025
Zum virtuellen Rundgang

Die Arbeiten von Fabio Melone bewegen sich in den Bereichen Malerei, Skulptur, Collage und Textilkunst. Er lässt körperliche, gestische und figurative Formen verschmelzen und verbindet das Sichtbare mit dem Unsichtbaren. „Tra cielo e pelle“ umrahmt diesen Prozess poetisch – die Verbindung zwischen dem Erdigen und dem Transzendentalen. Durch die Verwendung von Versatzstücken aus Hochglanz-Modemagazinen erforschen seine Collagen die Konstruktion und Dekonstruktion des Körpers. In jedem Pinselstrich oder Faden webt Melone subtile Nuancen und starke Kontraste ein, die Fragen zur menschlichen Erscheinung, Vergänglichkeit, Migration und Wurzeln aufwerfen. Seine Werke erkunden die Vielschichtigkeit des menschlichen Daseins und unser Selbst in der Aussenwelt.

Fabio Melone lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Fabio Melone Tra cielo e pelle 16.8.2025–5.10.2025
Asi Föcker ON AIR 26.4.2025–29.6.2025
Zum virtuellen Rundgang

In ihrer Arbeit experimentiert Asi Föcker mit Licht, Luft, Bewegung, Raum und Klang. Sie geht von alltäglichen Gegenständen und Materialien aus und untersucht diese auf ihre Eigenschaften. Ihr Interesse gilt dem fragilen, vorübergehende Zustand, der in der Bewegung und Stimmung von Objekten und Situationen entstehen kann: dem direkten und unmittelbaren Aufzeigen von etwas Verborgenem. Dabei bewegt sie sich vorwiegend im Feld der Installation, Objektperformance, Musik und Fotografie.

Asi Föcker lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Asi Föcker ON AIR 26.4.2025–29.6.2025
Susanne Keller Das Mädchen auf dem Seepferd aus vulkanischem Gestein 25.1.2025–23.3.2025
Zum virtuellen Rundgang

Zu den Werken von Susanne Keller gehören Objekte, Installationen, Malereien, Fotografien, Texte & Gedichte sowie Musik, die zum Teil performativ aufgeführt wird. Kellers Arbeitsprozess ist sowohl intuitiv, als auch intellektuell. Oft geht sie von Thematiken und Bildern aus, die sie inhaltlich interessieren oder rein visuell oder akustisch ansprechen. In die Formung ihrer Arbeiten fliessen Themen wie Guckkasten, fotografische Apparate und der Bühnenbau. Inspiriert von Film, Musik, Tanz, Theater, Literatur, Gesellschaft und Natur steht das Kulissenhafte immer im Vordergrund. Susanne Keller ist es wichtig, einen poetischen Klang in ihre Werke einzubringen; sie sollen einen verschlüsselten Charakter und einen bildlichen, sowie akustischen Reiz besitzen. Ihre Werke sind im Grunde materialisierte Gedichte, jedes mit seiner eigenen inhaltlichen Thematik.

Susanne Keller lebt und arbeitet in Zürich 
Webseite

Susanne Keller Das Mädchen auf dem Seepferd aus vulkanischem Gestein 25.1.2025–23.3.2025
2024
Peter Gysi Neuland / Terra incognita 26.10.2024–15.12.2024
Zum virtuellen Rundgang

Von der Anziehungskraft der Dinge auf Kurs gehalten, sind Peter Gysis Arbeiten medial vielfältig: mal inhaltlich komplex, dann wieder von schalkhafter Doppelbödigkeit. Objekte, Installationen, Arbeiten auf Papier und Aktionen stehen oft überraschend in Bezug zueinander. Gysis Interesse gilt der Herstellung, und der Durchbrechung oder Störung alltäglicher Ordnungen. In der Auseinandersetzung mit der Natur und kunsthistorischen Bezügen befragt der Künstler ideenreich Prinzipien von Komposition, Proportion und Funktionalität. So befreit er Alltagsgegenstände und industrielle Materialien von ihrer ursprünglichen Funktion und überführt sie mittels raffinierter Eingriffe in neue inhaltlich-ästhetische Kontexte. Seine Herangehensweise führt uns auf poetische Art zurück zu kindlichen Staunen aber auch zu vertieftem Nachdenken.

Peter Gysi lebt und arbeitet in Burgdorf
Webseite

Peter Gysi Neuland / Terra incognita 26.10.2024–15.12.2024
Vanessà Heer Vo Schand und Schuppel 17.8.2025–6.10.2025
Zum virtuellen Rundgang

Ein Bund, ein Bündel, eine Herde, wahrscheinlich etymologisch von «Schopf», also dem Kopfhaar stammender Begriff: Die Künstlerin hat einen «Schuppel» zusammenberufen, um in der Spannung zu einer männlich gehaltenen Tradition des Silvesterchlausens es sich zu erlauben, einen Raum zu schaffen zwischen Aneignung und Eigeninterpretation. ’nSchuppel wurde im Prozess zu einem ver-queerten Verbund haariger Unwesen, der sich gemeinsam umhertreibt, austreibt, heraufbeschwört, Rehabilitierung verlangt. An der Schnittstelle von Musik, Film, Poesie und Performance und im Versuch, Verletzlichkeit und Durchlässigkeit zwischen Körpern zu finden, unterläuft das Projekt die ungeschriebenen Gesetze des Brauchtums mit einer kollektiven, aber polyphonen Äusserung marginalisierter Stimmen.

Vanessà Heer lebt und arbeitet in Wald AR und Zürich aufgewachsen in Wil SG
Webseite

Vanessà Heer Vo Schand und Schuppel 17.8.2025–6.10.2025
Kilian Rüthemann Untitled 27.4.2024–30.6.2024
Zum virtuellen Rundgang

Kilian Rüthemann fertigt Skulpturen aus vermeintlich einfachen Materialien wie Salz, Zucker, Bitumen, Zement oder Holz, die mit der sie tragenden Umgebung interagieren. Er benutzt Wände und Böden eines Ausstellungsraumes, die Treppen, Fenster, Säulen oder die Bäume eines Waldes. So schafft er architektonische Interventionen, welche die Grenzen der verwendeten Materialien ausloten und so deren Eigenschaften und inhärente Logik offenlegen.

Aktuell beschäftigt sich Rüthemann mit der Architektur von Ausstellungsräumen und dessen Mobiliar sowie Silikon-Objekten als skulpturale und filmische Setzungen.

Kilian Rüthemann lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Kilian Rüthemann Untitled 27.4.2024–30.6.2024
Beatrice Doerig Moon is the Oldest Performer 10.2.2024–7.4.2024
Zum virtuellen Rundgang

Das Zeichnen von Linien prägt das Schaffen von Beatrice Dörig. Ihre Arbeiten sind eine Auseinandersetzung mit der Darstellbarkeit von Unendlichkeit und Vergänglichkeit. Als Dokumentationen der Wahrnehmung von Zeit und Raum funktionieren die von Hand gezeichneten Linien wie Seismographen.

Das stille, monotone und repetitive Zeichnen einer Linie so wie die Reduktion von Arbeitsmitteln, Technik und Formensprache sind die Grundlagen ihrer Arbeit. Die Aneinanderreihung einer Linie in der Wiederholung eines immer gleichen Bewegungsmusters verweist auf einen endlosen und potentiell unendlichen Prozess. Die Unendliche Linie, ein der Arbeit übergeordnetes Thema, wird zu ihrem zugrundeliegenden Prinzip.

Beatrice Doerig Moon is the Oldest Performer 10.2.2024–7.4.2024
2023
Monica Ursina Jäger Transient Traveller 4.11.2023–17.12.2023

Was können uns Bäume über die Zeit erzählen? Über die Fähigkeit zur Anpassung und Resilienz? Wie fügen wir uns in die Rhythmen der Erde? Können wir die Dimensionen des Zeitlichen und unseren Platz darin verstehen? Bäume sind Hüter vergangener und zukünftiger Zyklen. Sie bewahren die Zeit und machen sie für unsere Augen sichtbar. Sie säen, wachsen, reifen, verrotten und werden zu fruchtbarem Boden.
Monica Ursina Jäger beschäftigt sich seit langem mit den letzten Urwäldern der Schweiz. In «Transient Traveller» untersucht sie die Lebenszyklen der Bäume, die Migrationsrouten der Wälder und die Zeiträume, die dem Holz, dem Nebel, und den Pflanzengesellschaften innewohnen. Zusammen mit dem Komponisten Michael Bucher erschafft sie in den Räumen der Kunsthalle ein Biotop aus Klang, Zeit und Wald.

Monica Ursina Jäger lebt und arbeitet in Zürich und London
Webseite

Andrea Vogel Ausgemustert 2.9.2023–15.10.2023

Ausgemustert hat unterschiedliche Bedeutungen. Am geläufigsten ist: aus dem Sortiment nehmen, entsorgen, wegwerfen. In der Textilindustrie steht das Wort für: ein neues Muster herstellen.

Die Faszination für Textiles ist im künstlerischen Werk von Andrea Vogel evident.
In «ausgemustert» arbeitet sie unter anderem mit textilen Recyclingprodukten, die aus dem ursprünglichen Produktionsprozess und ihrem Einsatzbereich ausgeschieden sind. Aus diesen Recyclingprodukten sind für ihre Soloshow neue Arbeiten entstanden. In Bildern, Objekten und Skulpturen erforscht die Künstlerin die DNA dieser Materialien und gibt ihnen eine neue Wertigkeit.

Andrea Vogel aufgewachsen in Oberdiessbach BE, von St. Gallen aus ortsspezifisch unterwegs
Webseite

Herbert Weber Glitch and other Facts 3.6.2023–16.7.2023

Glitch, ein Begriff aus der Gamersprache, bezeichnet eine Panne, Störung, die vom Gehen durch Wände über falsche Darstellungen alles Mögliche meinen kann. Diese visuellen Ereignisse zeugen von unsauberer Programmierung und fehlerhaften Strukturen, die hinter der Oberfläche, dem Vorgegebenen, existieren. Der Glitch lässt uns hinter die abgeschlossene Fassade sehen – und das im doppelten Sinn: So können Spielerinnen beispielsweise durch eine Wand gehen und ein Gebäude von innen betrachten, welches nur als Hintergrund gedacht war und nicht als echtes Spielelement. Dies kann die Spielerinnen aber auch dazu animieren, solche Möglichkeiten gezielt zu suchen und daraus allenfalls auch einen Vorteil für sich zu ziehen. Ein bisschen wie im „normalen Leben“ die Fehler im System oder die Schlupflöcher, die einige auch strategisch ausnutzen.

Herbert Weber lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Rosmarie Abderhalden Kaleidoskop 1.4.2023–14.5.2023

Aus dem Griechischen übersetzt heisst Kaleidoskop soviel wie Schönbildschauen. Bunte Splitter bewegen sich zu immer neuen Mustern.

Die Soloshow «Kaleidoskop» ist eine Art Collage verschiedener 'Räume' - wie Splitter aus einem Kosmos des Zusammenspiels:

Deutungen, Täuschungen, Informationen
Wissen, Widersprüche, Gesetze, Rätsel
Natur, Technik, Materie, Geist
Symbiose, Netzwerke, Trennung, Zusammenhänge
Teilchen, Schwingungen, Farben, Frequenzen

Die Kraft der Neugier, des Staunens und von Träumen,soll einen Ausdruck finden mitten in herausfordernder Zeit.

Rosmarie Abderhalden lebt und arbeitet in Ebnat-Kappel
Webseite

Andy Storchenegger Im Wald des Vaters 28.1.2023–12.3.2023

Die Ausstellung befasst sich mit dem ambivalenten Verhältnis der eigenen Herkunft und den unterschiedlichen Wahrnehmungen darauf: der eigenen und die der anderen. Wie nimmt man sich selber wahr in seiner eigenen Umgebung, wie will man wahrgenommen werden und wie nehmen einem die Mitmenschen wahr. Was bringt die Herkunft mit, stellt sie Anforderungen und wenn ja, darf sie das? Wer stellt diese Anforderungen? Ist es besser eine Maske zu tragen?

Die Ausstellung «Im Wald des Vaters» befasst sich mit Heimat, Herkunft und Tarnung. Der Wald als starkes Bild für die Gemeinschaft, mit dem Baum der sich in der Masse verliert.

Andy Storchenegger aufgewachsen in Jonschwil lebt und arbeitet in Winterthur und St.Gallen
Webseite

2022
Huber.Huber Die Route wird neu berechnet 6.11.2022–18.12.2022

Seit ihrem Abschluss an der ZHdK arbeiten die Zwillingsbrüder Markus und Reto Huber unter dem Namen Huber.Huber zusammen. Bekanntheit erlangten sie durch ihre Collagen und Zeichnungen, sie haben in den letzten Jahren aber auch mit Installationen und skulpturalen Werken von sich reden gemacht. Stets mit einem poetisch-ästhetischen Anspruch sowie einer Nuance Ironie und Skurrilität kommentieren sie in ihrem vielschichtigen und konzeptionellen Werk das wechselhafte Verhältnis von Mensch, Kultur und Natur.

Obwohl die Geschichte des Automobils noch sehr jung ist, erst seit 1886 gab es erste Autos auf den Strassen, ist das Auto aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Zunehmend wird das Auto zum Politikum.

In der Vergangenheit haben sich huber.huber in einigen ihrer Arbeiten indirekt mit dem Thema „Auto“ auseinandergesetzt. Zu erwähnen ist hier die Skulptur Findling (2010), für die sie einen fast vier Tonnen schweren Gneis-Findling mit einem der teuersten Autolacke auf dem Markt lackierten liessen. Aber auch in dem fotografischen Werk tauchen bei huber.huber immer wieder Autos, Autoteile oder Spuren davon auf. Zum Beispiel in der Fotoarbeit „STAUB“ (2020) mit Pflanzen an Strassenrändern, die durch den aufgewirbelten Staub der durchfahrenden Autos fast versteinert wirken. In der Arbeit „the world will be hotter“ (2015) haben huber.huber Frontscheibenabdeckungen im Autoinnern fotografiert. Die Abdeckungen sollen Sonnenstrahlung abhalten, um das Überhitzen des Innenraumes zu vermindern. Früher sah man diese Abdeckungen vor allem in südlichen Ländern. Mit den immer heisser werdenden Sommermonaten, sind sie aber auch bei uns mehr und mehr anzutreffen.

Im Spannungsfeld Mensch-Umwelt, in dem sich die Arbeit der beiden Künstler bewegt, drängt sich das Thema der Klimaerwärmung auf. Der Verkehr ist für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich, von denen 72 Prozent auf den Straßenverkehr entfallen.

Für die Ausstellung „Die Route wird neu berechnet“ in zeigen huber.huber vorwiegen Arbeiten, die sie extra für die Räume der Kunsthalle Will erschaffen haben.

Markus und Reto Huber leben und arbeiten in Zürich
Webseite

Daniel Lütolf und Sara Widmer CKÖ 3.9.2022–16.10.2022

Die Arbeiten des Kunstkollektivs CKÖ reichen von einem als Edition herausgegebenen schrillen Badetuch bis hin zu begehbaren Raum-Installationen. Als kleinsten gemeinsamen Nenner ist dieser Vielfalt an Ausdrucksformen eine eigenwillige und poetische Aufnahme alltäglicher Phänomene eigen. Wie wird ein Raum, ein Objekt gesehen, was sind seine Qualitäten?
Ein Spiel mit dem Kontext von Raum und Gegenständen. Neue Funktionen werden zugeordnet oder ganz entzogen. Es werden Gedankenräume eröffnet und die Betrachtenden aufgefordert andere Standpunkte einzunehmen, das Gewohnte anders zu sehen und alltägliche Orte und Objekte neu zu erleben.

CKÖ arbeitet am und mit dem Alltag – von gross bis wuchtig, vielfach mit der scheinbaren Zielstellung diesen aus den Fesseln der «verwertbaren Optimierung» zu befreien.

CKÖ
Daniel Lütolf und Sara Widmer leben und arbeiten in Zürich
Webseite

M.S. Bastian und Isabelle L. Pulpokosmos 10.4.2022–10.7.2022

M.S. Bastian und Isabelle L. lernten sich 1984 an der Schule für Gestaltung Bern und Biel kennen und sind seit 1995 als Paar zusammen. Beruflich und künstlerisch arbeiten sie bis 1999 individuell an ihren eigenen Projekten und Berufswegen weiter. Die unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen – M.S. Bastian, als Zeichner und Comix-Experte, Isabelle L. als Werbegrafikerin – sind ein idealer Ausgangspunkt für ein gemeinsames Schaffen. Die Zusammenarbeit des Künstlerduos verstärkt sich aber erst 2003, durch die Einladung an eine Ausstellung im Bieler Kunsthaus Pasquart.
In „PULPOKOSMOS" erschafft das Künstlerduo eine überbordende Installation zwischen Geisterbahn, Musée intime und innerer Reise. Eine Abenteuerfahrt durch eine schauerlich schöne Welt.

Video zur Ausstellung

M.S. Bastian und Isabelle L. leben und arbeiten in Biel/Bienne

Karl A. Fürer / Daniel Stiefel Zweistimmen 6.2.2022–20.3.2022

In ihren jungen Jahren durchstreiften sie die Gassen der Wiler Altstadt. Heute ist den beiden gebürtigen Wilern das Malen und Zeichnen ein Werkzeug um in der Welt unterwegs zu sein. In «Zweistimmen» vereinen die beiden Künstlerfreunde Karl A. Fürer und Daniel Stiefel ihre Arbeiten zu einer Gesamtinstallation. Gegensätzliche Elemente prallen aufeinander. Das erdige, schwere, gewachsene Oeuvre von Daniel Stiefel mit den luftigen, flüchtigen und klingenden Werken von Karl A. Fürer. Dieses Spannungsfeld der Polaritäten hat Reibungspotential und trotzdem geht das Eine nicht ohne das Andere und findet in «Zweistimmen» in ein musikalisches Duett.

Karl A. Fürer aufgewachsen in Wil, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Daniel Stiefel aufgewachsen in Wil, lebt und arbeitet in Reute AR
Webseite

2021
Federica Gärtner Areal 7.11.2021–19.12.2021

Die Arbeiten der Künstlerin pendeln zwischen Polen wie Anziehung und Abstossung, Schmerz und Lust, Flüchtigkeit und Präsenz, ungezügelter Hingabe und Kontrolle. Dabei weist ihre Arbeitsstrategie eine starke Affinität zu Versuchsanordnungen auf, die räumliche und materiale Ausformung der Installationen und Objekte erinnert oft an Laborsituationen, so auch ihre Arbeit in der Kunsthalle Wil. Ein Experimentierfeld das Wissenschaftlichkeit suggeriert und Fragen aufwirft. Da die einzelnen Arbeiten keine klare Aussage haben, öffnen sie Türen für Spekulationen, Vermutungen und Ahnungen. In ihrer Gegenüberstellung entstehen immer wieder andere Dialoge und neue Abhängigkeiten. Es verdichten sich Zeichnungen, Fotografien und Objekte zu geheimnisvollen Räumen, die eine latente Bedrohlichkeit aufweisen.

Federica Gärtner lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Georgette Maag Gezeiten 5.9.2021–17.10.2021

In ihren Videoprojektionen verknüpft Georgette Maag wiederkehrende Flüchtigkeiten des Alltags zu einem komplexen, atmosphärischen Raumerlebnis. Mit ihren Bildern greift sie radikal in den Raum ein. Die Architektur der Kunsthalle wird zu einer Spur von menschlicher Hinterlassenschaft, in der die Natur Territorien zurückerobert. Durch raffinierte Bildtäuschungen lässt die Künstlerin im Erdgeschoss der Kunsthalle Wasser durch Wände und Decke eindringen und wieder verschwinden. Das Obergeschoss wird zum Dachboden und suggeriert die Vorstellung von Beiseitegeschafftem. Poesievoll und anmutig tanzen Spinnweben durch die Holzbalken. Vergänglichkeit und die wandelbare Kraft der Natur sprechen aus ihren
Werken.

Georgette Maag lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Pawel Ferus Haze 27.6.2021–15.8.2021

Pawel Ferus` Arbeiten pendeln zwischen Objekt, Skulptur, Tafelbild und Installation. In seinen figurativ-abstrahierten Werken zeigt sich sein raffinierter Umgang mit klassischen Bildhauer-Materialien. Er kombiniert traditionelle Materialien, wie Bronze, Marmor oder auch Beton, mit diversen Konsumgütern als Kommentare zur Gegenwartskultur und lässt so komplementäre Referenzbilder aufeinanderprallen. Seine Installationen besitzen einen Charakter, der gleichzeitig unbeschwert und tiefgründig, abstrakt und gegenständlich, kritisch und voller witziger Anspielungen ist. In seinen künstlerischen Umsetzungen greift er kunsthistorische, gesellschaftspolitische und biografische Bezüge auf. Für die Kunsthalle Wil erarbeitet der Künstler eine archaische Werkserie im Kontext Mensch-Natur-Technologie.

Pawel Ferus lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Livia Rita Futura Arthaus 6.5.2021–6.6.2021

FUTURA ARTHAUS ist eine immersive, lebendige und interaktive Ausstellung von Livia Rita’s Gesamtkunstwerk FUGA FUTURA, welche bildende Kunst, ArtFashion, elektronische Musik und Tanzperformance zusammenbringt.
Das FUTURA ARTHAUS versteht Kunst als Experimentierfeld für Zukunftsszenarien und spielt mit verschiedensten Zeitlichkeiten und Realitäten. Der reale Raum vermischt sich mit dem virtuellen Raum, indem interaktive, einzigartige Erlebnisse zwischen Besucher*Innen, Technologie und Kunst geschaffen werden. Die Kunsthalle ist Ausstellungsraum und Live Atelier zugleich. Es bietet den Besuchenden die Möglichkeit hautnah den Prozess von künstlerischer Kollaboration und den kreativen Schaffensprozess zu erleben.

Livia Rita lebt in London und im Toggenburg
Webseite

Luigi Archetti SOUNDOFF 7.3.2021–18.4.2021

In installativen Settings kreiert Luigi Archetti ästhetische Spannungsräume und macht die Schnittstelle zwischen Musik und Kunst sinnlich erfahrbar.
Für die Ausstellung «SOUNDOFF» gestaltet er den Raum der Kunsthalle Wil als Bildträger und Klangkörper, visuelle und klangliche Impulse treffen dabei atmosphärisch aufeinander. Das Vokabular der Musik manifestiert sich dabei nicht nur in den Ideen und der Umsetzung von Archettis Werken, vielmehr erscheint es auch in der direkten Verwendung von Objekten und Begrifflichkeiten aus dieser Sparte. In der gleichzeitigen Wahrnehmung von Klang und Bild entstehen schwankende Realitäten.

Video zur Ausstellung

Luigi Archetti lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

2020
Rebecca Kunz Ophelia's leaving 7.11.2020–19.12.2020

Wer bist du Herr X und warum ist deine Stimme oft so laut? - aus dem Audioessay zur Ausstellung. Geschrieben und gesprochen von Paula Henrike Herrmann.

In dieser Ausstellung werden Sie nicht an die Kunst herangeführt, sondern Sie befinden sich mittendrin. Sie sind Teil des Werks. Nun stellt sich unweigerlich die Frage, was ist Teil der Inszenierung? Was ist Real und was Fiktion? Und wie halte ich es aus, keine Auflösung auf die Fragen zu bekommen? Keine Erklärung was meine Rolle als Besucher ist? Was die Rolle des Gegenübers ist? Vielleicht meldet sich die eigene innere Stimme, die sagt was zu tun ist. Die innere Stimme, die wir alle nur zu gut kennen, die uns manchmal guter Ratgeber ist und manchmal im Weg steht. Rebecca Kunz führt uns in eine Situation in der vermeintlich klares uns plötzlich verunsichert. Sie schafft dies durch subtile, präzise Raumeingriffe. Vorhandenes und Gewohntes wird von der Künstlerin neu inszeniert. Sie denkt den Raum nicht nur als architektonisches Gefäss sondern bezieht Existenz, in allen Formen, in ihre Inszenierung mit ein. Sie ist Gestalterin des Raums und Regisseurin zugleich, überlässt es jedoch uns Besuchern die eigene Rolle zu definieren. Sie liefert den Plot, wir Besucher machen uns die Geschichte. Das Narrativ entsteht durch das was wir sehen und nicht sehen – hören und nicht hören.

Rebecca Kunz geboren 1986, lebt in Bern und Basel
Webseite

Olga Titus Show del Masai 6.9.2020–18.10.2020

In ihrem Schaffen umkreist die Künstlerin Olga Titus eine Galaxie, in welcher selbst und Fremdwahrnehmung, biographische Elemente und kulturelle Identität sich in allen Facetten wiederspiegelt und selbst darstellt.
Ihre Arbeiten zeigen sich in variablen Formen und Medien. Passend zur Thematik erarbeitet sie in verschiedenen Medien einen treffenden Ausdruck zum Inhalt. Sie erforscht den Begriff der kulturellen Identität, generiert neue Geschichten und erschaffet neue Welten.

Mit „Tropical Native Girl“ einverleibt Olga Titus sich selbst das Exotenklischee, welches ihr in der Kunstszene anhaftet. Das Tropical Native Girl begeistert sich für Exotik, pure Lebensfreude, Früchte und tropische Rhythmen. Mit ihrer „SHOW del MASAI“ in der Kunsthalle Wil zelebriert Sie das Tropische, Exotische, Unbändige und Wilde. Subtropisch anmutende Bilder, geschredderte, rotierende totemähnliche Skulpturen schmücken die Ausstellung auf eine exotische Art und Weise. Eine mehrschichtige Stoffinstallation bildet in seiner luftigen Form eine weitere Ebene zur Ausstellung. Ergänzend zu den Paillettenwerken wirken diese im Kontrast luftig, fast schwebend elektrisierend und aufgeladen. Zu entdecken gibt es auch neue Videoarbeiten, eine wurde eigens für die Kunsthalle Wil kreiert.

Olga Titus geboren 1977, lebt in Winterthur
Webseite

Olivia Wiederkehr yes!yes!yes!no!no! 27.6.2020–16.8.2020

Existenz findet immer im Raum statt und hat einen Ort: sowohl physisch wahrnehmbare als auch mentale Dimensionen von Seinsformen kommen ohne Räumlichkeit nicht aus. Genauso kann Freiheit verstanden werden: als etwas, was ohne eigenen Raum nicht existiert. Freiheit braucht Raum. Wie wird jedoch ein solcher Raum produziert? Wie definiert sich Freiheit als eine Kraft des Widerstandes? Gibt es künstlerisch - aesthetische Praxen oder Strategien, mit welchen das eigene Umfeld, respektive der individuelle Raum ausgelotet, vergrössert oder gar verfestigt werden kann? Die Künstlerin geht diesen Fragen nach und entwirft darin ihre eigenen gedanklichen Strategien und Handlungsfelder.

Video zur Ausstellung

Olivia Wiederkehr geboren 1975, lebt in Brugg AG
Webseite

Susanne Hofer Spectacular Scenery 5.4.2020–7.6.2020

Die Videokünstlerin Susanne Hofer sucht ihre Bilder in (sub-)urbanen Zonen, liebt landschaftliche Randbezirke und verlassene Gebäude. Sie findet das Surreale im Banalen und Alltäglichen. Ihr Blick richtet sich auf Eingriffe des Menschen in die Natur. Sie kombiniert Projektion, Material und Raum zu präzisen Installationen und erzeugt verlockende Scheinwelten.
Oszillierende Lichtreflexionen verwandeln das Obergeschoss der Kunsthalle in ein atmosphärisch glitzerndes All-over. Spiegelungen beseelen profanen Plastikmüll. Das landschaftlich anmutende Setting wird im Erdgeschoss durch eine mehrteilige Videoinstallation ergänzt, die den geschlossenen Ausstellungsraum aufbricht.

Video zur Eröffnung der Ausstellung

Susanne Hofer geboren 1970, lebt in Zürich
Webseite

Kunsthalle Wil Retrospektive 9.2.2020–15.3.2020

Seit der Gründung ediert die Kunsthalle Wil jedes Jahr ein Multiple in der Auflage von 25 Objekten. Diese Multiples werden vom Künstler/von der Künstlerin meist individuell geschaffen, darum handelt es sich bei zahlreichen dieser Kleinplastiken um Unikate. Ausgestellt werden Multiples von Künstlerinnen und Künstlern die seit 1991 in der Kunsthalle Wil ausgestellt haben: Alfred Sturzenegger, Hans Thomann, Felix Brunner, Roman Signer, James Licini, Beni Salzmann und Max Zeintl, Toni Calzaferri, Philippe Barde, Hans Rudolph Schweizer, Stefan Kreier, Jacques Kaufmann, Ruth Amstutz, Verena K.lin-Squaretti, Lucie Schenker, Ralf Lücke, Sonja Duo-Meyer, Josef Bücheler, Brigitte Schwacke, Beate Kuhn, Hans Bach, Andy Guhl, Hendrikje Kühne und Beat Klein, Ralph Hauswirth, Dominique Teufen, Gertrud Genhart, Erna Hürzeler, Eva Borner, Bruno Streich.

2019
Maria Ceppi Chute d’eau 3.11.2019–15.12.2019

Die Walliser Künstlerin Maria Ceppi findet Inspiration in der Natur und in biomorphen Prozessen; ihr Interesse gilt der Entstehung und Transformation von Gestalt. In der Kunsthalle Wil präsentiert sie eine Chute d’eau, die sich von der Galerie ‹ergiesst›. Es handelt sich hierbei indes nicht um einen realen Wasserfall, sondern um eine Installation aus rund vierzig durchscheinenden Blasen: Mittels vollen, halbvollen und leeren, grösseren und kleineren transparenten Plastikformen simuliert die Künstlerin das Fliessen und Stürzen des Liquiden. Die Zähheit der PVC Folien ist zwar dem Naturphänomen diametral entgegengesetzt, dennoch vermögen die reflektierenden Oberflächen ein zauberhaftflüchtiges Naturereignis zu simulieren.

Maria Ceppi
Webseite

TONundTON Transit 1.9.2019–13.10.2019

Seit 1990 entwickelt das Künstler-Duo TONundTON – Theres Stämpfli (Keramikerin) & Peter K Frey (Musiker) regelmässig Klanginstallationen, immer mit Bezug zum Raum und zur vorgefundenen Umgebung. Oftmals laden ihre Inszenierungen zur Interaktion, so der evozierte Klang zur individuellen Entdeckung wird. Für die Ausstellung in der Kunsthalle beschäftigt sich das spartenübergreifend arbeitende Duo mit menschlichem ‹Wandern› – vom täglichen Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort bis hin zu den grossen Völkerbewegungen. Stämpfli und Frey spüren die gegangenen Wege auf, zeichnen (Lebens-)Linien nach und legen (Ton-) Spuren aus. Der gebrannte Ton und der Ton als Klang verschmelzen in der Installation «Transit» zu einem einzigartigen sinnlichen Erlebnis.

TONundTON
Webseite

ohm41 sieben mal 20 2.6.2019–14.7.2019

Das KünstlerInnen-Kollektiv ohm41 tritt seit seiner Gründung 1999 in der Ostschweiz immer wieder mit eigenwilligen, provokanten und witzigen Aktionen in Erscheinung. Anlässlich ihres 20jährigen Jubiläums präsentieren die Kunstschaffenden in der Kunsthalle Wil ihr neustes Gemeinschaftswerk, welches bis Ausstellungsbeginn noch geheim, sicherlich jedoch einzigartig und unüblich sein wird. Die Mitglieder von ohm41 – Markus und Ernst Tuli Eugster, Thomas Fri Freydl, Stefan Kreier, Renato Müller, Franziska Peterli, Roland Rüegg und Franz Zuber – nutzen für ihre unkonventionellen und erfrischenden Interventionen virtuos die verschiedensten Medien. Wir dürfen also gespannt sein auf ihre Performance in den Kunsthalle-Räumen.

ohm41
Webseite

Bruno Streich s24 7.4.2019–12.5.2019

2019 jährt sich die spektakuläre Mondlandung zum 50sten Mal. «Ein grosser Schritt für die Menschheit», wie es Neil Armstrong am 20. Juli 1969 so treffend beim Austritt aus dem Lunar Module auf die Mondoberfläche ausdrückte. Bruno Streich, der lange Jahre an der ETH Zürich als Raumfahrtingenieur tätig war, nimmt das Jubiläum zum Anlass für seine Ausstellung und erweist ihm hinterfragend eine fulminante Referenz. In der Kunsthalle Wil präsentiert der Künstler eine raumfüllende – in akademischer Leichtbauweise konstruierte – interaktive skulpturale Installation, die sich formal am Service- und Kommando- Modul der Apollo-11-Mission orientiert. Die Arbeit siedelt sich thematisch und gestalterisch an den Schnittstellen von Geschichte, Wissenschaft und Kunst an.

Bruno Streich
Webseite

Ursula Palla The moon in my pocket 27.1.2019–10.3.2019

Ursula Palla beschäftigt sich vornehmlich mit Videoarbeiten, Installationen und Skulpturen. Ihre künstlerische Auseinandersetzung gilt dem Verhältnis von Natur, Kultur, Technik, Wirklichkeit und Künstlichkeit und basiert auf einer stets intensiven wie weitreichenden Erforschung des jeweiligen Themenkomplexes. In der Kunsthalle Wil präsentiert die Künstlerin eine raumgreifende Video-Installation, in der eine gegenständliche Inszenierung sich überraschend mit flüchtigen Projektionen verbindet. Eingeblendete Videosequenzen verändern die Schattenbilder der real präsentierten Objekte und verschieben dadurch die Raum- und Bildwahrnehmung. Die so gefügt suggestive Raum-Collage rührt an brisanten Fragen zum Verhältnis von Mensch und Natur.

Ursula Palla geboren 1961, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

2018
Eva Borner Wirklichkeiten 4.11.2018–16.12.2018

Eva Borner schaut hin, wo andere wegschauen: Respektvolles Fotografieren von Schlafplätzen Obdachloser in Athen, feinfühlige Gespräche mit Flüchtlingen im Auffanglager oder anteilnehmendes Filmen zum Thema der erzwungenen Umsiedlung von Quartierbewohnern in Schanghai sind Ausgangspunkt ihrer subtil-poetischen Verdichtungen von menschlichen Schicksalen. In eindrücklichen Video-, Klang- und Objektinstallationen gibt Eva Borner ‹Sprachlosen› eine Stimme, wobei die physische Abwesenheit der Protagonisten für ihr Schaffen charakteristisch ist. Denn voyeuristisches Schauen liegt der Künstlerin fern.Vielmehr will sie uns mittels ihrer behutsamen Inszenierungen die schwierige Wirklichkeit und die Wünsche der Betroffenen näher bringen.

"Wirklichkeiten" in der Kunsthalle Wil. Zur Videoansicht.

Eva Borner geboren 1967, lebt und arbeitet vielerorts
Webseite

Michael von Brentano teatrum mundi 2.9.2018–14.10.2018

Das Welttheater ist ein umfassendes Werk, dem sich Michael von Brentano seit Jahren widmet. Basierend auf alltäglichen Gebrauchsrelikten, aus der Mode gekommenen Dekorationsobjekten und Funden aus den Printmedien schafft er mittels Zeichnung, Collage, Plastik und Skulptur, Video sowie Ready-made-Verfahren neue Bild- und Objektfügungen von suggestiver Ausstrahlung. Jedes Artefakt für sich ist vieldeutig und bestechend; weitere surreale Facetten indes offenbaren sich erst in der verdichteten wie ausufernden Konstellation des Kuriositätenkabinetts. Durch seine ideellen Umdeutungen der gewählten Bilder und Gegenstände setzt Michael von Brentano Widerhaken in unsere Phantasie und ködert raffiniert unsere Neugier.

Michael von Brentano geboren 1960, lebt und arbeitet in Seeshaupt (D)
Webseite

Werner Widmer seven 10.6.2018–15.7.2018

In sieben Werken erweist Werner Widmer seinen Wurzeln die Referenz – eine Annäherung an die sieben Churfirsten in mannigfaltigen Massstäben, Medien und Materialien. So lässt der in Wil aufgewachsene, vielseitig talentierte Künstler einerseits Berge lautstark stumm miteinander streiten, Haie die Zähne zeigen, um gleichzeitig dem hiesigen Mandelfisch die Referenz zu erweisen. Und versüsst andererseits die Kunsthalle mit einem seiner verführerischen ‹Stelldichein der dressierten Zückerchen›. Er frönt ästhetisch und mit Witz dem Kulinarischen: kredenzt charaktervolle Bergschokolade und feingeschmirgelte «frites de chêne», die – fern von profaner Ölpfanne und Ketchup – an geheimnisvolle Eichenhaine denken lassen.

Werner Widmer geboren 1967, lebt und arbeitet in Eschlikon
Webseite

Gianin Conrad playing the game 8.4.2018–20.5.2018

Für die Kunsthalle Wil entwickelt der aus Chur stammende Künstler Gianin Conrad einen raumerobernden ‹Kunst-Parcours›, der uns mit sinnigen wie schrägen Bezügen zum Kultur- und Freizeitverhalten des Homo sapiens sapiens konfrontiert, quasi einen Zerrspiegel vorhält und uns mit seinen inszenierten Objekten abgründig vergnügt. Mit «playing the game» lädt er zum Spiele, paart die Beobachtungen zeittypischer Gesellschaftsphänomene mit Elementen des Comic und des surrealen Ready mades. Der von der Bildhauerei herkommende Installationsvirtuose zieht seine künstlerischen Inspirationen und Strategien aus unterschiedlichsten Kontexten und demaskiert mit Schalk und Ironie die Absurditäten im Alltäglichen.

Gianin Conrad geboren 1979, lebt und arbeitet in Chur und Zürich
Webseite

Alex Herzog ZEIT_Stücke 28.1.2018–11.3.2018

Graphit, Granit, Asche und Papier werden von Alex Herzog in anspruchsvollen künstlerischen Prozessen transformiert – mit grosser Ausdauer und feinem Gespür für die besonderen Eigenschaften eines jeden Materials. Die daraus geschaffenen Installationen verbünden sich mit den Räumen in spannender und gegensätzlicher Weise, nicht zuletzt weil Alex Herzog an die physikalischen Grenzen sowohl der Ausgangsmaterialien als auch der Kunsthalle-Architektur geht. Kernthema bei all seinem gestalterischen Tun ist das Sichtbarmachen von Zeit in Form: der Splitterkegel, die schwer an Stahlseilen hängenden Graphitflächen, die erdige Bodenarbeit lassen eindrücklich die vom Künstler aufgewendete Energie und die Entstehungsdauer erahnen.

Alex Herzog geboren 1958, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

2017
Eva-Maria Pfaffen Aus der Fülle 5.11.2017–17.12.2017

Hintergrund für die Ausstellung der in Luzern lebenden Walliser Künstlerin Eva-Maria Pfaffen ist die ursprüngliche Nutzung der Kunsthalle Wil als Kleinviehmarkthalle und Standort der Transformationsstation für die einstige Stromversorgung der Wiler Altstadt. Essentiell für ihr künstlerisches Schaffen ist das Material, und zwar das einfache, alltägliche. Auf der Suche nach dem Ursprünglichen kehrt sie zu ihren Wurzeln ins Wallis zurück und komponiert aus Schafwolle und anderen Naturmaterialien einzigartige Installationen. Die Künstlerin verbindet dabei Modernes mit Traditionellem und spiegelt Vergangenes im Gegenwärtigen in Inszenierungen, die sich jeweils auf den vorgegebenen Raum beziehen.

Website

Erna Hürzeler Im grünen Bereich 3.9.2017–15.10.2017

Eine Bodeninstallation, im wörtlichen Sinn aus dem Bauch geschaffen: 88 abgeformte Frauen-Bauchräume sind Ausgangspunkt für das Werk. Auf den ersten Blick 88 abstrakte Bilder in unregelmässig elliptischer Form – die Anordnung konzentrischer Ringe lässt ein Atmen, Bewegen, Wachsen erahnen. Drumrum Werke mit Pflanzen; die stachelig-trockenen Blütenstände der Karde als Utensil, die daraus hervorgegangenen ‘Kardierungen’ Monotypien von einzigartiger Textur. Und schliesslich taucht die Wiler Künstlerin Erna Hürzeler den Kunsthalle-Raum in einen Nuancen-Rausch feinster wässriger Farbtöne, gewonnen aus Birke, Kastanie, Himbeere, Malve, Lavendel, Kamille und Löwenzahn – wahrhaftig ein Naturereignis.

Erna Hürzeler geboren 1955, lebt und arbeitet in Wil
Webseite

Christoph Rihs Les Jalousies jalouses 11.6.2017–16.7.2017

«Les Jalousies jalouses» – die Werk-Titel wie auch die Skulpturen und raumgreifenden Installationen des Künstlers und Kurators Christoph Rihs bergen Rätsel. Meint Rihs mit Jalousien Verschattungsvor-
richtungen oder doch französische ‹Eifersüchte›? Und worauf sollen besagte Lamellenstoren beziehungsweise Eifersüchteleien ihrerseits ‹jalouse› sein? Ist gar eine Fährte zum ‹Harem› gelegt? Rihs’ Werke sind verführerische Fallen, in denen sich das Visavis verstrickt. Die Auseinandersetzung mit den stets sehr ästhetisch gestalteten Objekten und Inszenierungen führt immer tiefer ins Labyrinth der möglichen Lesarten; Eindeutigkeit ist verweigert, stattdessen tun sich fortwährend inspirierende neue Fragen auf.

Christoph Rihs geboren 1957, lebt und arbeitet in Weimar D
Website

Glaser / Kunz Mauer 9.4.2017–21.5.2017

Nationen und Religionen grenzen sich ab. Es gibt politische, administrative oder wirtschaftliche Grenzen, Zoll- oder Eigentumsgrenzen. Mauern trennen, gleichzeitig bringen sie Schutz. Nebst dem Sich-Abgrenzen steht das Bedürfnis der Entgrenzung, des Sich-Öffnens gegenüber der Andersartigkeit. Ob Befreiungstheologie, Revolution oder geistige Freiheit, die Kräfte des Sich-Öffnens und des Sich-Verschliessens stehen in stetem Widerstreit. Das Zürcher Künstlerpaar Magdalena Kunz und Daniel Glaser geht in all seinen multimedial-performativen Arbeiten auf Grenzsituation des Individuums wie des Kollektivs ein. Der Einzelne als Teil der Gesellschaft ist genauso Thema wie die unablässige Suche nach dem Sein im Schein.

Magdalena Kunz (1972), Daniel Glaser (1968) leben und arbeiten in Zürich
Webseite

Lara Russi Fields 29.1.2017–12.3.2017

Fields heisst die Ausstellung der Performance-Künstlerin Lara Russi. Gemeint sind jedoch nicht ausschliesslich Äcker im herkömmlichen, sondern ebenso im übertragenen Sinne. Zwischen hochfliegenden Makrokosmen und bodenständigen Mikrountersuchungen folgt Lara Russi ihren Interessen und steckt Felder ab. Mit poetischem Blick sucht sie nach dem philosophischen Potential im Alltag, hebt dieses hervor, um es – oft mit äusserstem Körpereinsatz – zu untersuchen. Dabei entstehen facettenreiche Mixed-Media-Arbeiten, und die Besuchenden werden eingeladen, im vermeintlich Bekannten Unbekanntes zu entdecken und spielerisch mit den einzelnen Installationen in einen Dialog zu treten.

Lara Russi geboren 1979, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

2016
Tilmann Zahn Zerrissen 6.11.2016–18.12.2016

Schmutzige oder verlassene Orte und die Kehrseite der Medaille ‹Produktion-Konsum-Entertainment› ziehen den aus Osnabrück stammenden Musiker und Zeichner Tilmann Zahn in Bann. Güterbahnhöfe, Industrieanlagen, Billboards, Vergnügungsparks liefern die Sujets für seine skulpturalen Papierarbeiten. Mittels eines eigens entwickelten künstlerischen Verfahrens von Ölbädern, Graphitauftrag und manuellen Papierausreissens schafft Tilmann Zahn grossformatige Bild-Filets, deren Erscheinung die Hinfälligkeit alles Irdischen deutlich vor Augen führt. Imposante Ingenieursleistungen, Monumente der Ökonomie schweben als Schatten ihrer selbst im Raum, dem Zerfall preisgegeben und doch von berückender geheimnisvoller Schönheit.

Tilmann Zahn geboren 1966, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Katharina Henking Arabeske 4.9.2016–23.10.2016

Eine Arabeske ist ein aus spätantiken Vorbildern entwickeltes Blatt- oder Rankenornament, ausserdem Bezeichnung für eine schnörkelhafte Melodieverzierung sowie für eine graziöse Tanzfigur beim Ballett. Als Arabeske bezeichnet Katharina Henking denn auch ihre Installation, die in einem längeren Prozess vor Ort entsteht und die Kunsthalle in einen «Zaubergarten» verwandelt. Nebst Papier verwendet die Künstlerin Material verschiedenen Ursprungs und verbindet dieses zu einem filigranen Raumgebilde. Seit einer künstlerischen Radikalkur, der Transformation eines wesentlichen Teils ihrer Papierschnitte und ihres zeichnerischen Werks zu einer räumlichen Inszenierung, gehört das dreidimensionale Schaffen zum festen Repertoire der Künstlerin.

Katharina Henking geboren 1957, lebt und arbeitet in Winterthur
Webseite

Gertrud Genhart Zweihochdrei 5.6.2016–17.7.2016

Linien und Flächen sind Gertrud Genharts ‹Rohstoffe›, aus welchen sie Illusionen von Körpern im Raum und exzentrischen Architekturgebilden schafft. Die auf Papier oder auf die Wand gebrachten Zeichnungen suggerieren unserem in die Irre geführten Auge Fluchten und Kammern, sprengen die Realität des Bildträgers und des Ausstellungsraums. Die Künstlerin entwickelt mit grosser Präzision frappante Bildwirklichkeiten, deren Sog sich das Visavis nicht zu entziehen vermag. Ihr Interesse beschränkt sich indes nicht auf Design und Trompe l’oeil, vielmehr dient ihr diese gestalterische Strategie als Brückenschlag zu ihrem künstlerischen Hauptanliegen: energetische Transformation eines vorgefundenen Raums und Auslotung der Wirkung von Schieflagen.

Gertrud Genhart geboren 1967, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Susanna Niederer Landschaften 10.4.2016–22.5.2016

Ellipsen bilden die Basis jeglichen künstlerischen Schaffens von Susanna Niederer. Ihnen schenkt die Künstlerin seit drei Jahrzehnten ihr besonderes Augenmerk und macht sie zur Inspirationsquelle ihrer Arbeit. Die Ellipse nimmt sie dabei nicht nur als geometrische Form wahr, sondern mehr noch als Symbol übergreifender Strukturen: Die Verbildlichung der Ellipse dient Susanna Niederer dazu Leere sicht- und spürbar zu machen und immer auf die Dialektik von da und dort, von Sein und Nichtdasein zu verweisen. Neben konzeptuellen Papierarbeiten sind in der Kunsthalle Wil vor allem dreidimensionale Arbeiten und Installationen aus Stahl, Holz, Gummi und Polymer zu sehen - unendliche Variationen in harmonischer, ideal-ovaler Ellipsenform.

Susanna Niederer geboren 1958, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Renato Müller Lavadance 7.2.2016–13.3.2016

Der Musiker, Filmer und Multimediakünstler Renato Müller wird die Kunsthalle in faszinierende fluide Videobilder tauchen: Organische Blasen in leuchtenden Farben wabern über Wände, Decke, Boden und verschlingen sich mit den Projektionen menschlicher Tanzbewegungen. Das Betrachten der unvorhersehbaren Vorgänge wird die Besucherinnen und Besucher in den Genuss eines entrückenden Raumerlebnisses bringen. Des Weiteren verdichtet Renato Müller in seinen Videostills die metamorphischen Filmsequenzen und computergenerierten Bilder zu Konzentraten von kreatürlicher Vitalität. Diese Exponate sind vage vergleichbar mit mittelalterlichen Glasfenstern, insofern als in beiden eine Vision von physischer und emotionaler Wandlung in Erscheinung tritt.

Renato Müller geboren 1959, lebt und arbeitet in Wil
Webseite

2015
Werkbeiträge Kanton St. Gallen Ausgezeichnet 2015 8.11.2015–20.12.2015

Der Kanton St.Gallen schreibt jährlich Werkbeiträge für St.Galler Kunstschaffende aus. Diese werden durch Fachjurys und das Amt für Kultur ausgewählt und sind als Unterstützung für zukünftige Vorhaben gedacht, sind also weder Förder- noch Anerkennungspreise, sondern klar werk- und projektbezogen. Um diese Projekte von Zeit zu Zeit einer interessierten Öffentlichkeit zeigen zu können, findet alle 3 Jahre eine Ausstellung mit dem Namen «Ausgezeichnet» statt, dieses Mal wiederum in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Wil und dem museumbickel Walenstadt. Nebst der Ausstellung stellen die begleitenden Rahmenprogramme Projekte aus den Sparten Literatur, Film, Musik, Tanz und Theater vor.

Ausgezeichnet 2015
Webseite

Cleis / Thomann [:die baustelle] 150905 6.9.2015–18.10.2015

[:die baustelle] 150905 ist ein Ort des Experimentierens, der Zusammenarbeit, des Austauschs, des Aufeinandereingehens. [ :die baustelle] ist ein Arbeitsprinzip. So wie auf dem Bau Handwerker und Unternehmer an einem Werk planen und arbeiten, so erarbeiten Hans Thomann und Martin Cleis das Gedankengebäude eines experimentellen Gesamtkunstwerks, das sie als Installation umsetzen. Dabei werden die Grenzen zwischen den einzelnen künstlerischen Beiträgen bewusst unscharf gehalten. Ihr Arbeitsmaterial sind Versatzstücke der Baustellen-Kultur. In neue Zusammenhänge gestellt, entstehen daraus Irritationen, die zum Nachdenken auch über gesellschaftliche Dimensionen anregen.

Cleis / Thomann
Martin Cleis (1946) lebt in Basel
Webseite

Hans Thomann (1957) lebt in St. Gallen
Webseite

Dominique Teufen Rêveries mimétiques 7.6.2015–12.7.2015

Dominique Teufen verwandelt die Kunsthalle Wil in einen Ort der suggestiven Illusion. In ihrer Installation wird die architektonische Realität des Gebäudes auf überraschende Weise in Szene gesetzt und mittels augentäuschender Interventionen unterwandert. Dabei setzt die Künstlerin auf die Schwarzweiss-Verfremdung als Wahrnehmungsfilter. Der im Ausstellungstitel referierte antike Begriff «Mimesis» (Nachahmung) darf vieldeutig gelesen werden – die Kunsthalle wird zum Mimen, zum Schausteller eines fiktiven Charakters. In Verbindung mit «Rêverie» (Träumerei, Tagtraum, Hirngespinst) lädt die Wortendung «-tiques» zur Assoziation der spleenigen Eigentümlichkeit und vergnüglichen Marotte.

Dominique Teufen geboren 1975, lebt und arbeitet in Zürich und Amsterdam
Webseite

Matthias Rüegg No idea 12.4.2015–17.5.2015

Eine ortsspezifische installative Ausstellung zu kreieren, setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem vorgefundenen Kontext voraus. Matthias Rüegg schreibt der Kunsthalle Gedanken ein, die seinen Prozess von der ersten Begegnung mit den Räumen bis zur Realisation erahnen lassen. In grossen Lettern prangen seine Phrasen an Gestellen, verschmelzen farblich mit den umgebenden Wänden, wirken wie ein optisches Raunen. Solche Billboards kennt der Künstler von seinen Reisen, wobei ihn nicht primär die plakative Oberfläche mit der Werbebotschaft fasziniert, sondern das freistehende Gestänge, das sich als dichte Netzzeichnung gegen die Landschaft absetzt und eine eigentümliche Architektur bildet.

Matthias Rüegg geboren 1968, lebt in Zürich

Philippe Winninger Modern Ruins 8.2.2015–15.3.2015

Schillernd, schimmernd und je nach Lichteinfall irisierend präsentieren sich die aus schlichten Säulen bestehenden «Modern Ruins» von Philippe Winninger. Der Künstler bedient sich des Unscheinbaren:
1-dl-Plastikbecher, die er etappenweise quasi als performativer Akt in der ganzen Schweiz beim immer gleichen Grossverteiler erwirbt, sind die Bausteine seiner besonderen Architekturen. Er macht mittels dieses billigen Werkstoffs das Flüchtige und Entgrenzte – Luft, Licht und Leere – in seinen labilen und doch monumental anmutenden Gebilden fassbar. Die Inszenierung fasziniert durch ihre bestechende Ästhetik, wie auch durch das flirrende Dazwischen, das Transzendentes erahnen lässt.

Philippe Winninger geboren 1956, lebt in Marseille
Webseite

2014
Katrin Hotz, Katharina Anna Wieser, Karin Schuh, Sandra Kühne Arbeiten im Raum 9.11.2014–21.12.2014

Vier unterschiedliche Positionen finden zu einer ineinandergreifenden Raumarbeit. Die vier Künstlerinnen sind freundschaftlich verbunden und haben sich als Ausstellungsgruppe schon früher bewährt. Ihre Arbeiten siedeln sich in den Sparten Zeichnung, Malerei, Installation und grossformatiger Papierschnitt an. Ihr Schaffen zeichnet sich aus durch kontinuierliche Befragung wie Weiterentwicklung ihrer je spezifischen Arbeitsweise. Das Zusammenführen der vier Gestaltungsstrategien zu einer Gesamtpräsentation in der Kunsthalle Wil darf mit Spannung erwartet werden.

Katrin Hotz
Geboren 1976
Webseite

Katharina Anna Wieser
Geboren 1976
Webseite

Karin Schuh
Webseite

Sandra Kühne
Geboren 1976
Webseite

Michael Kos Making Sense 7.9.2014–19.10.2014

Verbindend für die vielfältigen Objekte, Installationen und «Bildschlichtungen» von Michael Kos ist ein explizites Materialverständnis, das der Künstler als essentiellen Ausgangspunkt für sein Schaffen sieht. Kos erachtet die Idee als wichtig, aber er ist dezidiert kein Konzeptkünstler: «Ideen hat man, Objekte macht man. Mein Interesse gilt vor allem dem zweiten. Machen bedeutet immer eine enge Begegnung mit Materie.» Seine Präsentation «Making Sense» in der Kunsthalle Wil lässt erkennen, wie viel Bildpotential zerschnittene Landkarten haben, wie assoziativ Steine durch pointierte Eingriffe werden oder wie bedrohlich Milchkannen durch eine kleine Kontextverschiebung sein können.

Michael Kos geboren 1963, lebt und arbeitet in Niederösterreich
Webseite

Ralph Hauswirth Kleine fliegende Berge 15.6.2014–20.7.2014

Spielerisch und vielfältig sind die Interventionen, mit denen Ralph Hauswirth auf seine Umgebung reagiert. Einmal verblüfft er mit detailgetreuen Betonmodellen seiner Ausstellungsstätten – jedes je 3.2 kg schwer – einmal mit einem Sammelsurium an Fundstücken, die er auf Regalen oder in hölzernen Kisten, einer archäologischen Auslegeordnung ähnlich, präsentiert. Seelenkisten nennt der Künstler diese Erinnerungskonvolute, die einladen zur Spinnung der wunderlichsten und wunderbarsten Geschichten. Seile, kreuz und quer verspannt, schaffen ungewohnte Raumerfahrungen und verwickeln die Betrachter in ein Nachdenken über physische Kräfte wie über Sichtbarwerden von Zeit.

Ralph Hauswirth geboren 1948, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Franticek Klossner Laboratorium 13.4.2014–18.5.2014

Das Schaffen von Frantiˇcek Klossner umfasst Videokunst, Performance und Installation wie auch Arbeiten auf und aus Papier. Seine Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum sind stets Ereignisse, denn sie prägen sich dank ihrer frappanten Ästhetik und der hintergründigen Irritation den Betrachterinnen und Betrachtern dauerhaft ein. In seiner Ausstellung verwandelt der Künstler die Kunsthalle Wil in eine Art Laboratorium: Flaschen merkwürdigen menschlichen Inhalts treffen auf objekthaft manifeste Verflüchtigungsprozesse. Mit seinen Exponaten erschliesst Klossner bizarre Bildwelten, die das Wesen der Kunst und des Lebens in listiger Weise hinterfragen.

Franticek Klossner geboren 1960, lebt in Bern
Webseite

Joëlle Allet Audience Flow 9.2.2014–16.3.2014

Die Installation «Audience Flow» will die Frage nach dem (Kunst)Publikum aufgreifen und witzig abgründig vor Augen führen. 48 Stühle stehen akkurat aufgereiht im grossen Ausstellungsraum der Kunsthalle Wil. Durch die unterschiedlichen Stuhlbeinlängen entsteht optisch – trotz der linearen Anordnung – eine wellenartige Bewegung in den Reihen. Ein Raunen scheint durch die Menge zu gehen; den Grund dafür zu finden, ist unserer Phantasie überlassen. Auf der Galerie wirft die Künstlerin besondere Köder aus, die das Thema Verführung aus einem andern Blickwinkel beleuchten und die trotz – oder gerade wegen – ihrer verfänglichen Schönheit als gedankliche Widerhaken in Erinnerung bleiben.

Joëlle Allet geboren 1980, lebt und arbeitet in Sirnach TG
Webseite

2012
Hendrikje Kühne / Beat Klein Panorama 11.11.2012–23.12.2012

Die Künstler Hendrikje Kühne und Beat Klein haben bei ihrem Sehkreis hier in der Kunsthalle Wil ein ganz ungewöhnliches Illusionskonzept entwickelt: Ihre Kunst fungiert sozusagen als Brille und Brennglas für den Blick in die Welt. Sie haben für uns eine raumumspannende Szenerie als Ausstellungs-Horizont entfaltet und bedienten sich dabei einer besonderen Technik – sie verwendeten statt Farbe und Pinsel Schere und Leim; ihr künstlerisches Medium ist die Collage. Als Grundlage und Arbeitsmaterial dient ihnen hierbei die Fülle mehr oder weniger abstrahierter Bildwelten in der Malerei vergangener Jahrhunderte, welche in Form von Kunst-reproduktionen reichhaltig greifbar ist. Im zweiten facettenreichen Ausstellungsteil auf der Galerie huldigen Hendrikje Kühne und Beat Klein dem Topos Wald und seinen gefiederten Bewohnern. Der hier in der Halle eben erst in die Ferne schweifende Betrachter-Blick wird nun ins Unterholz gelockt und auf das naheliegend Verborgene fixiert. Einmal verführt ein sonnendurchfluteter Waldweg zum Eintauchen ins geheimnisvolle Idyll, dann wieder warnt die Bildkulmination des Dickichts vor den lauernden Gefahren und Abgründen in der Tabuzone. Es ist erstaunlich und entbehrt jeder Logik, was da so kreucht und fleucht – sich darauf einen Reim machen zu wollen, ist vollkommen müssig, aber höchst vergnüglich.

Hendrikje Kühne (1962)
Beat Klein (1956)
Kollaborative Arbeit seit 1998
Webseite

Liz Gehrer Einflüsse 9.9.2012–21.10.2012

Der Mensch und seine Beziehung zu seinem Vis-à-vis, zur Umwelt oder – in grössere Dimensionen eingebettet – zum Leben an sich ist für Liz Gehrer seit je Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens. Dass der Mensch als Protagonist dabei nicht ausschliesslich Akteur ist, steht für die Künstlerin ausser Frage, wenn sie sinniert: «Manche Faktoren lassen sich selber gestalten. Andere Einflüsse entziehen sich eigenen Steuerungsversuchen.» Diese Kernaussage liegt allen ihren in der Kunsthalle Wil gezeigten Installationen zugrunde.

Liz Gehrer geboren 1949, lebt in St. Gallen und Montepulciano
Webseite

Patrick Rohner ...gegenwärtige Anordnung 10.6.2012–15.7.2012

In der eigens für die Kunsthalle Wil entwickelten installativen Präsentation gross- und kleinformatiger Werke macht Rohner in korrespondierenden wie kontrastierenden Gegenüberstellungen die reichen Nuancen seiner auf den ersten Blick sonderbar kruden Bildoberflächen sichtbar. Seine zur räumlichen Erfassung in Szene gesetzte Malerei will das Auge schärfen für das Besondere und das Wesentliche. Das adäquate Betrachten erfordert ein mehrfaches Wechseln von Standort und Blickwinkel, verlangt sowohl nach Panorama Sicht als auch nach minutiöser Detailerfassung. Belohnt wird derartig aktive Rezeption von der hierbei gewahrten faszinierenden Vielfalt an Texturen und oftmals sehr ungewöhnlichen Farbverschränkungen: Das von solcher Fülle stimulierte Sehen wird bei anhaltendem und wiederholtem Eintauchen in die malerischen Gegebenheiten von immer neu zu entdeckenden Aspekten in Bann gezogen.

Patrick Rohner geboren 1959, lebt und arbeitet in Rüti GL
Webseite

Friedemann Grieshaber Mensch und Haus 15.4.2012–20.5.2012

In der «Verschwisterung von Figur und Architektur» entwickelte Grieshaber ein geschlossenes, völlig eigenständiges Werk. Das zeigt sich besonders darin, dass er es versteht, Konzept und Materialität in eine spannungsvolle Balance zu versetzen, und dass es ihm immer wieder gelingt, das streng Konzeptuelle mit der Freude am fabulierenden Formgestalten zu unterlaufen. Trotz der faszinierenden Klarheit der Formen und Referenzen sind die Werke nicht immer unmittelbar zugänglich: Sie wollen wie ein komplexes Gebäude langsam erfahren sein. Die in ihnen angelegten Themen «Wohnen, Stadt und Mensch, im weitesten Sinne Natur und Kultur», sind von grosser Aktualität. In den Kunstwerken von Friedemann Grieshaber öffnen sich dazu auch philosophische Gedanken.

Friedemann Grieshaber geboren 1968, lebt im Allgäu und in Berlin
Webseite

Ausgezeichnet 2012 Werkbeiträge des Kanton St. Gallen 5.2.2012–18.3.2012

Das Amt für Kultur des Kantons St.Gallen vergibt jährlich zehn Werkbeiträge an Kulturschaffende aller Sparten. Werkbeiträge sind ausschliesslich auf konkrete Konzepte bezogen, sie wollen künstlerisch interessante, eigenständige und realisierbare Projekte fördern. Kriterien für das Sprechen eines Werkbeitrages sind sowohl die Professionalität und Authentizität eines Antrags als auch die ernsthafte, kompetente und vertiefte Auseinandersetzung im aktuellen Schaffen. Werkbeiträge würdigen die Originalität der gestalterischen Ausprägung des jeweils vorgelegten Projekts und sind nicht als Auszeichnung für erbrachte Leistungen konzipiert. In der Ausstellung AUSGEZEICHNET an den drei Standorten Kulturraum St.Gallen, Kunsthalle Wil und museumbickel in Walenstadt werden die 30 Werkbeitrags-EmpfängerInnen der Jahre 2008, 2009, 2010vorgestellt und ihr Schaffen anhand ausgewählter Exponate oder anlässlich von kulturellen Veranstaltungen gewürdigt.

Ausgezeichnet 2012
Webseite

2011
Diethard Blaudszun Die Welt hinter Wingen – die Welt hinter Wil 4.9.2011–16.10.2011

Diethard Blaudszun verbindet in seiner Ausstellung «Die Welt hinter Wingen – die Welt hinter Wil» den Ort seines Wohnens im Elsass mit jenem der Kunsthalle in der Ostschweiz mittels Fotografien, Zeichnungen und Radierungen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich der Künstler mit Wegprojekten als Spurensicherung oder Land Art. Manche seiner Aktionen erstrecken und entwickeln sich über mehrere Jahre wie die «Westwall-Expedition 1» 1997–2003, eine Spurensuche nach Bunkerrelikten (1938–40) zwischen Basel und Karlsruhe. Ein Beispiel zur Land Art ist das Projekt «LiИie»: Zwischen 1994–2000 legte Blaudszun eine Kieselsteinlinie über Hügel, Wiesen, Wege und Wälder in der Landschaft der Nordvogesen. Seine Kunst bleibt im Fluss, ist ein «work in progress» im wahrsten Sinne des Wortes.

Diethard Blaudszun
1941 -2012

Victorine Müller À la tombée du jour. 5.6.2011–17.7.2011

Die Künstlerin lässt die Kunsthalle als eigentliche Schau-Bühne in Erscheinung treten; sie definiert verschiedene mehr oder weniger verschränkte Zonen, in denen die skulpturalen Akteure ganz privat weilen und wirken. Als Angelpunkt der Ausstellung positioniert sie im Hauptraum ein zeichenhaft aus Schaumkartonplatten zusammengestecktes Chimärenwesen, das leuchtend orange Fäden fasst und in Ordnung zu halten trachtet. Oder handelt es sich umgekehrt um Energieströme aus dieser unergründlichen vitalen Quelle, die aus den durch das Trennglas greifenden Händen weitgefächert in den Schwarzraum zerstieben? «Haga» nennt Victorine Müller diese Wechselfigur, die als Empfangende oder als Spendende gelesen werden kann und scheinbar aktiv an einem sonderbaren Transformationsprozess teilhat. Die Szene erscheint als Phantasma, als Traumgebilde, dessen Geheimnis durch keinen noch so verstiegenen Deutungsversuch gelüftet werden kann – und es ist gerade dieses alle Inszenierungen von Victorine Müller durchdringende Mysterium, das anhaltend fesselt.

Victorine Müller geboren 1961, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Urs-P. Twellmann momentum 5.6.2011–17.7.2011

Seit Jahrzehnten setzt der in Münsingen beheimatete und auf der ganzen Welt arbeitende Künstler Urs-P. Twellmann Holz in unterschiedlichsten Beschaffenheiten immer wieder überraschend neu in Szene; bei seinen aktuellen Recherchen wird das Material nun gleichsam entfesselt, und es gelingen ihm Formgebungen von faszinierender Ästhetik und Sinnlichkeit. Die für die Kunsthalle Wil entwickelte Inszenierung lenkt das Augenmerk einerseits auf diese ganz individuellen Objekte und offenbart andererseits als Ganzes den schier unbeschreiblichen Reichtum an Entfaltungsmöglich keiten der Natur. In der differenzierten Auslegeordnung wird das Moment von kreatürlicher Wandelbarkeit eindrücklich sichtbar.

Urs-P. Twellmann geboren 1959, lebt und arbeitet in Bern
Webseite

Emanuel Strässle endlich. der rote Faden 10.4.2011–15.5.2011

Mit seiner Werkpräsentation in Wil ist für Emanuel Strässle jene Station erreicht, an der sich in seinem Schaffen das, was die so heterogen erscheinenden Arbeiten verbindet, sozusagen der «rote Faden», subtil und gleichzeitig kraftvoll offenbart. Aus der Überzeugung heraus, dass Kunstwerke, vor allem die Plastik, Raum schaffen und die dynamische Natur des Raumes definieren können, wird jede Skulptur innerhalb der Kunsthallenarchitektur inszeniert. Die Exponate wurden eigens für Wil konzipiert und realisiert oder aus bestehenden Werken ausgewählt, um in dieser neuen Situation verändert wahrgenommen zu werden. Die Beziehung zwischen Rezipient und Kunstwerk ist eines der zentralen Anliegen, mit dem sich Strässle in seinem Schaffen auseinandersetzt. Die Suche nach der optimalen Positionierung seiner Skulpturen stellt einen entscheidenden Prozess dar, um räumliche Phänomene zu erkunden und Raumgrenzen erlebbar zu machen. Seine Mittel sind grosse installative Objekte aber auch immateriell erfahrbare akustische Werke sowie Fotoarbeiten wie «Inked Area» von 2010, die einen Blick in die unauslotbaren Tiefen eines wolkenverhangenen Himmels öffnet.

Emanuel Strässle geboren 1964, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Stefan Sulzberger Big Run 6.2.2011–13.3.2011

Stefan Sulzberger offeriert in seiner Präsentation in der Kunsthalle alternative Formen von «Big Run», macht Energien sichtbar, die nicht zu einer Ortsverlagerung, sondern zu einer Dynamik steigerung sur place führen. Es sind dies entweder labyrinthische Ballungen, Kreisläufe in Variationen oder punktuelle Expansionen. Zur Kreation seiner auf den Fenstern liegenden Schlingenbildern rakelte Sulzberger sehr liquide Farbe über den als Bildträger dienenden Bauplastik und schuf so das Erscheinungsbild einer hauchdünnen durchschimmernden Membran. Durch das Entfernen aller nichtbemalten Bereiche wird die amorphe Formgebung unterstrichen, Räumlichkeit suggeriert und die Charakterisierung des Werks als Gemälde untergraben. Im Linienknäuel mag überdies eine gewisse Ähnlichkeit mit Organischem erkannt werden, so etwa mit einer abgestreiften Schlangenhaut oder mit den Faltungen des menschlichen Grosshirns. Das Schimmern der Folie und die unregelmässigen Farbablagerungen an den Rändern der gekurvten Bänder evozieren die Wirkung von Plastizität, und die Bahnen erscheinen als prall gefüllte Schläuche, in welchen ein schnelles zirkuläres Fliessen zu erahnen ist.

Stefan Sulzberger geboren 1969, lebt in Schaffhausen

2010
Andy Guhl 2.5 Mikrometer Aktinfilamente 7.11.2010–19.12.2010

Andy Guhl denkt sich seine Konstellationen aus, die er mit Hilfe der Mechanik, Optik, Lichttechnik, Elektronik und Computertechnologie realisiert. Ein wesentlicher Bestandteil der Installation sind Kabel zur Energiezufuhr und zur Vernetzung der verschiedenen Geräte untereinander, was auch optisch – ganz traditionell –als Liniengewirr einen spannenden Anblick bietet. Insgesamt bergen die technischen Anordnungen als Installation auch inaktiv die Schönheit und Faszination einer „elektronischen Skulptur“. Auch wenn letztlich die Apparatur ihre eigenen Klänge und Bilder generiert, dahinter steht ein Künstler mit seinen Visionen und seiner Freude am Spiel mit neuen und neuesten Technologien. Andy Guhl ist ein geradezu paradigmatisches Beispiel für den Künstler als genialen Tüftler, der die „erweiterte, geknackte Alltagselektronik“ zur Erzeugung einer neuen Art von „Farbpigmenten“ als auch für neue Klangfarben einsetzt.

Andy Guhl geboren 1952, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Angela M. Flaig begrenzt – entgrenzt 5.9.2010–17.10.2010

Ambivalenz ist ein Wesensmerkmal von Angela M. Flaigs Werken. Ambivalent erscheinen uns die Objekte und Bilder, da sie sich unserer gewohnten Begegnung mit zwei- und dreidimensionalen Kunstwerken entziehen – Erscheinung und Substanz stehen in einem faszinierenden Widerspruch. Die Künstlerin wählt als Rohstoff und Ausgangspunkt für ihre Gebilde Flüchtiges: Das organisch Vergängliche wird aus dem Zyklus der Natur herausgelöst und bis auf Weiteres in skulpturalen Gebilden oder ikonischen Reliefs konzentriert. Hauchzart und oftmals sehr klein sind die Einzelbestandteile, handelt es sich doch um Samen – Flugsamen von Weidenröschen und Disteln aller Art sowie Samen von Goldrute, Waldrebe und Löwenzahn; selten sogar um die winzigen nacktsamen von Kiefern. Diese gilt es zur rechten Zeit zu sammeln und im Atelier in die gewünschte Erscheinungsform zu bringen. Die Künstlerin weiss um die natürlichen Prozesse und vermag sie gezielt zu beeinflussen, etwa wenn sie es bewerkstelligt, dass sich die Schirmchen der Löwenzahnköpfchen öffnen, ohne dass sich die Samen aus ihrem Körbchen lösen und als Schirmflieger das Weite suchen.

Angela M. Flaig geboren 1948, lebt und arbeitet in Rottweil
Webseite

Mark J. Huber second room 6.6.2010–11.7.2010

Das Phänomen des temporären Raums umkreist der Künstler Mark Huber in seinen für die Kunsthalle Wil entwickelten Bildern. Bewusst entscheidet er sich bei einer Begehung der ehemaligen Kleinviehmarkthalle für eine sowohl thematische als auch ortsspezifische Vertiefung seines grundsätzlichen Interesses an visuellen reizen. Hier setzt die für den Künstler massgebliche, dem Malprozess vorausgehende, beobachtende und erforschende Auseinandersetzung ein. In spontanen Fotografien erkundet Mark Huber die Wechselwirkung von Licht und Raum – in der Kunsthalle Wil sind es die charakteristische horizontale Gitterstruktur der dem Gebäude vorgelagerten hölzernen Fassade und die dahinter liegenden grossen Fenster, die je nach Lichteinfall und Blickwinkel den Innenraum immer wieder neu und anders wirken lassen. Diese sich fortwährend verändernden «Gesichter» des Realraums hält der Künstler fest. aus der Fülle an vorgefundenen Effekten gewinnt Mark Huber die Informationen, die als gestalterische Impulse in seine eigenen Bildschöpfungen einfliessen. Die entstandenen fotografischen Impressionen bezeichnet Mark Huber denn auch stimmig als «rohlinge», die ihm – wie schon bei früheren arbeiten – als rohmaterial innerhalb seines künstlerischen Verfahrens dienen.

Mark J. Huber geboren 1957, lebt und arbeitet in Frauenfeld
Webseite

Nesa Gschwend my Body my Place 11.4.2010–16.5.2010

Nesa Gschwend lässt ihre physische Wahrnehmung zum Brennglas für das Fremde werden. Während ihres mehrmonatigen Aufenthalts in Varanasi (Pilgerort im Staat Uttar Pradesh) 2009 tauchte die Künstlerin ein in die von extremen Gegensätzen geprägte Welt des indischen Subkontinents. Die Irritation und Faszination, welche ihr die Berührung mit dem oft Unverständlichen bescherte, liess sie noch vor Ort in ihr künstlerisches Gestalten einfliessen und schuf performative, filmische wie zeichnerische Werke von grosser Intensität und Dichte. Die von ihr verinnerlichten Begegnungen mit sehr unterschiedlichen Menschen und Lebensumständen, ihre Beobachtungen und Schlüsse führte sie in bildstarke Metaphern über und konfrontierte die Passanten ihres temporären Wirkungsortes mit ihren für die Einheimischen ihrerseits fremdartigen Ausdrucksformen. So entstand für die Künstlerin ein Dialog mit ihrem Gastland, der es ihr erlaubte, Bewunderung für die vielschichtige Kultur auszudrücken, kritische Fragen zur gesellschaftlichen Hierarchie nonverbal in den Raum zu stellen sowie ihre persönliche Sichtweise in prägnanten Ritualen auszudrücken.

Nesa Gschwend geboren 1959, lebt und arbeitet in Niederlenz
Webseite

Walter Weer between 0 and 1 / sculpture 7.2.2010–14.3.2010

Schnur, Papier aller Art, Karton, Leim und Farbe – meist weiss und schwarz, seltener orangerot – sind die Materialien, mit denen Walter Weer seine Werke gestaltet. Was sich wie der Anfang einer Anleitung zur Verpackung einer Postsendung anhört, bildet die Grundlage für Plastiken, die tatsächlich mit Umwickeln und Verknüpfen zu tun haben und die ebenso wie Pakete Botschaften und Inhalte übermitteln. An ihrer bei aller Zurückhaltung der Polychromie stark differenzierten Farbgestaltung, die auch den Grundmaterialien genügend Entfaltung lässt, offenbart sich Walter Weers Herkunft von der Malerei. Im Spiel mit der Sinnlichkeit der eingesetzten Mittel, die schon für sich alleine starke optische Signale aussenden, wird uns der Reiz «armer Materialien», wie Schnur oder Zeitungspapier, bewusst. Was für wunderbare, intensive Werke verdanken wir doch gerade der «arte povera».

Walter Weer geboren 1941, lebt und arbeitet in Wien
Webseite

2009
Susanne Kiebler Landschaftliches 8.11.2009–20.12.2009

In ihrer künstlerischen Strategie fokussiert Kiebler Gegenstände, beispielsweise möblierte Innenräume, oder sie entfernt sich davon, um in der Unschärfe der Erinnerung fündig zu werden. Die Interieurs mit Bett, Stuhl oder anderen Objekten sind ausschnitthaft gefasst und in Reihen oder Gruppen mit abstrakten Zeichnungen und organischen Formen angeordnet. In der Zusammenstellung treten die ganz unterschiedlichen Bilder in einen inhaltlichen Dialog und verschmelzen zu einer neuen, übergeordneten Bildrealität. Neben den perspektivisch dargestellten Innenräumen entziehen sich die übrigen Bildsequenzen einer rationalen Zuordnung. Bei den neuen «Landschaften» werden die verschiedenen Ebenen nicht in einem Nebeneinander, sondern im selben Bildquadrat, sich teilweise mehrfach überlagernd angelegt.

Susanne Kiebler geboren 1959, lebt und arbeitet in Konstanz

Beate Kuhn Wenn Fantasie Form annimmt 8.11.2009–20.12.2009

Von unerschöpflicher Fantasie beflügelt, inspiriert durch Musik, erfindet Beate Kuhn ihre plastischen Arbeiten. Über die Jahrzehnte hat sie sich ein Werk erschaffen, das im Vergleich zu zeitgenössischen Tendenzen schräg in der aktuellen Kunstlandschaft steht. Ihre Kreationen sind Ausdruck einer grossen gestalterischen Ungebundenheit und formalen Freiheit. Sie gibt dem Eigenwilligen, dem Exzentrischen in der Kunst eine Stimme. Die Surrealisten, die das «Wunderbare und nur das Wunderbare» über alles schätzten, hätten ihre helle Freude an den Schöpfungen von Beate Kuhn. Sie nimmt den Betrachter mit auf eine sinnlich-abenteuerliche Reise ins Land ihrer Imagination. Weit öffnet sich ein Tor zu einem Wundergarten der Fantasie und man ist selbst mittendrin in einem Reich von bizarren Pflanzengebilden und Organismen, wie sie die Wirklichkeit nicht kennt, und fühlt sich selbst verzaubert.

Beate Kuhn
1927 - 2015

Andreas Kaiser Oase 6.9.2009–18.10.2009

Andreas Kaiser siedelt seine Werke an im Spannungsfeld von Ideal, Trugbild und Wirklichkeit. Dabei erzeugt er in seinen Installationen stets konkrete Gegebenheiten, geschaffen aus dem Fundus des Alltäglichen unter Verwendung des materiell Naheliegenden, doch gründen diese räumlich ausgreifenden Bildfindungen tief, sind doppelbödig, lassen sich vielschichtig lesen und rühren, über sich hinausweisend, an zentralen gesellschaftlichen Themen. So sind denn seine Werkstoffe und seine Titel mit grossem Bedacht gewählt, bergen als solche schon bemerkenswertes Potential zur übergeordneten Deutung. Zunächst indes vergnügen die mit scheinbarer Leichtigkeit und handwerklichem Geschick in Szene gesetzten Gebilde durch ihren Witz und eine leise mitschwingende Ironie. «Innere Werte» enthüllen seine filigranen Papierschnitte, deren Schatten gleichsam konkreter erscheinen als das materiell Vorhandene; «Schweizer Glück» titelt die unförmig aufgeblasene, goldig flirrende helvetische Kreatur; und als schwieriges Terrain erweist sich die als Schweizer Teppich daliegende «Oase» – Projektionsfläche irritierten Wunschdenkens, Isolationsdecke für oder wider Multikulturalität.

Andreas Kaiser geboren 1967, lebt und arbeitet in Köln
Webseite

Toni Calzaferri Über Leben Kunst 7.6.2009–12.7.2009

Toni Calzaferri
1947 - 1999

2007
Christa Brunner / Renato Müller Scherben zeigen Wirkung 4.11.2007–16.12.2007

Eine Künstlerin und ein Künstler aus Wil präsentieren im Rahmen der letzten Ausstellung in den Räumen des ehemaligen Brauhauses im Hof ihre neuesten Videoarbeiten. Christa Brunner hat eine dritte Episode unter dem Titel "Gewisse Erfahrungen können zur Folge haben, dass man sie wiederholen will" geschaffen, und Renato Müller zeigt eine Videoinstallation zum Thema "Morphosen".

Christa Brunner / Renato Müller
Christa Brunner (1968)
lebt und arbeitet in Wil und Züriuch
Renato Müller (1959)
lebt und arbeitet in Wil
Webseite

Stephan Hasslinger Zip 2.9.2007–14.10.2007

Der Bildhauer Stephan Hasslinger nimmt Fragmente von Modefotos und Assemblagen von Bekleidungsartikeln als Anregung für seine in keramischem Material realisierten Plastiken. In der Transformation von Textilien und seiner Verbindung mit organisch-körperhaften Formen blitzt ein Travestieeffekt auf, der diesen Kreationen ihre Aktualität verleiht. Es ist neben den plastischen Ideen der spezielle Umgang mit seinem Werkstoff, der den Werken ihre besondere Aura vermittelt.

Stephan Hasslinger geboren 1960, lebt und arbeitet in Freiburg D
Webseite

Andri Köfer / Robert Hess Andri Köfer / Robert Hess 10.6.2007–15.7.2007

Eine Bank am See kann Ausgangspunkt unendlicher Geschichten sein. Was hat nicht alles auf einer solchen zufällig oder geplant seinen Anfang genommen? Für das Künstlerduo köfer | hess ist dieses Sujet allerdings kein Anlass zu romantischen Betrachtungen: Ihre Kunst besteht aus einem fliessenden Prozess, der in Form einer Installation für die Dauer einer Ausstellung vorübergehend angehalten wird. Dieser beginnt lange vor der eigentlichen Vernissage, beispielsweise mit dem Kreieren von Plakat und Einladungskarte. Dabei ergibt sich mit dem gewählten Bildmaterial eine gewisse Stimmung und eine mögliche thematische Richtung.

Andri Köfer / Robert Hess
Andri Köfer (1968)
Robert Hess (1955)

Josef Bücheler Im Schatten der Flügel 15.4.2007–20.5.2007

Papier, Seil, Holz, Erde und Asche sind die Materialien, mit denen Bücheler seine Kunstwerke realisiert. Es ist genau genommen – abgesehen von der Tonerde – alles dasselbe Material, das als pflanzliches, gewachsenes, in der natürlichen Form als Äste, als zu Papier und Seil verarbeitetes und im reduzierten Zustand als Asche verwendet wird. Das ergibt die aus linearen und flächigen Bestandteilen bestehende Struktur der Werke. Die aus Papier gefertigten Volumen und in sich bewegten Flächen hängen an Seilen frei im Raum, sie sind durch herabhängende Stricke am Boden geerdet oder zwischen gebogenen Ästen eingespannt. Die Herkunft des Materials wird keineswegs verheimlicht. Im fertigen Werk lassen sich durchaus noch Wort- und Abbildungsbruchstücke der vielen übereinander geklebten Schichten von Zeitungspapier erkennen.

Josef Bücheler geboren 1936, lebt und arbeitet in Rottweil

Sati Zech Rot 11.2.2007–18.3.2007

Rot oder Schwarz im strengen «entweder – oder» sind die Malmittel der in Berlin lebenden Künstlerin Sati Zech. Als Meisterschülerin des Bildhauers Lothar Fischer befasste sie sich mit plastischen Figurationen, um sich nun seit einigen Jahren ganz intensiv mit der Erschaffung einer persönlichen Bildwelt auseinanderzusetzen. Was sie beibehalten hat, ist der plastisch-reliefartige Einsatz des Malgrundes Papier oder Leinwand, ist die haptische Qualität des Materials. Auf den ersten Blick vermitteln die Werke eine eindringliche, leidenschaftliche Auseinandersetzung in der stofflichen Gestaltung. Die Spuren von auseinander gerissenen und zu neuen Konstellationen zusammengefügten Leinwandstücken, von unterschiedlichsten Klebstoffresten, lassen einen langwierigen Entstehungsprozess nachvollziehen. Die Werke neigen tendenziell zum Objekthaften, werden collagiert und teilweise zusammengenäht. Sie erhalten ein Relief, das sich mit der Zeichnung und seiner Struktur zur Einheit verbindet.

Sati Zech geboren 1958, lebt und arbeitet in Berlin
Webseite

2006
Thomas Freydl ohne Titel 5.11.2006–17.11.2006

Für die vielfältigen Veränderungen unserer Zeit entwickelte der Künstler Thomas Freydl ein feines Sensorium. Er füllt die Kunsthalle wie ein gewaltiges Reservoir der Erinnerung mit 8'000 Diapositiven. Von der digitalen Bildaufnahme verdrängt, gehören sie zunehmend der Vergangenheit an. In seiner Installation werden die Bilder mit den unzähligen darauf festgehaltenen Lebensmomenten von unterschiedlichster Herkunft in Bewegung gesetzt und bilden als ganze Maschinerie ein eindrückliches Monument der Vergänglichkeit.

Thomas Freydl geboren 1961, lebt und arbeitet in Lichtensteig
Webseite

Renata Borer Wassersphären 3.9.2006–15.10.2006

Mit ihren installativen Zeichnungen, die sie direkt auf die Wände der Ausstellungsräume montierte, ist die Künstlerin Renata Borer bekannt geworden. Diese Reliefs bestanden aus transparentem Klebeband. Neben solchen Arbeiten auf Zeit arbeitet die Künstlerin mit Bleistift und Farbstift auf Papier an einem zeichnerischen Werk. Dieses entwickelt sich thematisch bezogen auf das Konzept der Rauminszenierungen, in die sie jeweils integriert werden. Im Jahr 2005 erarbeitete Renata Borer gemeinsam mit dem Komponisten und Musiker Hans-Jürg Meier eine visuell-akustische Rauminstallation in der Ottilienkapelle in Balsthal. Diese Zusammenarbeit wird nun in der Kunsthalle Wil um ein weiteres Kapitel erweitert. Das Material Plastikfolie und Wasser als Thema, sowie die Klangsituation werden zu neuen Formen und Inhalten transformiert.

Renata Borer geboren 1956, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Herbert Meusburger Trennen und Verbinden 11.6.2006–16.7.2006

Der Bildhauer Herbert Meusburger hat sich völlig dem Urgestein Granit verschrieben. Er weiss, was es bedeutet, zum Wesen der Materie vorzudringen. Über das kreative Sich-Erschaffen einer persönlichen Gestaltungsweise hinaus heisst das für ihn, eine echte Zwiesprache mit dem Gehalt des Steins zu halten. Die Monumentalität seiner Skulpturen beruht auf der Dialektik zwischen der Unmittelbarkeit des Materialeindrucks und dem Elementaren der strengen Tektonik. Die Seele des Urgesteins Granit spricht aus seinen Skulpturen.

Herbert Meusburger geboren 1953, lebt und arbeitet in Wetzikon
Webseite

Sonja Duò-Meyer Zeigen und bewahren 9.4.2006–14.5.2006

Die Künstlerin Sonja Duò-Meyer setzt den expressiven Reichtum des keramischen Materials, insbesondere seine Fähigkeit, die Spuren der formgebenden Finger aufzunehmen, bewusst ein. Dem Material und der besonderen Gestaltung entspringt die Aura ihrer Plastiken. Es sind Werke unserer Zeit, die die Gegenwart mit der Vergangenheit, die greifbare mit der imaginären Welt vereinen. Sie laden ein zu Stille und Meditation; sie sind offen, um von unseren Gedanken, Wünschen und Sehnsüchten gefüllt zu werden.

Sonja Duò-Meyer geboren 1953, lebt und arbeitet in Wetzikon
Webseite

Othmar Eder Freizeit 12.2.2006–19.3.2006

Der bei Kufstein/Tirol geborene Zeichner und Maler Othmar Eder zeigt in seiner Bildinszenierung zum Thema "Freizeit in den Bergen" Bleistiftzeichnungen als Landschaftsimpressionen von stiller Melancholie und grosse monochrome Gemälde als Farberlebnisse eines Stausees oder einer Alpwiese. Die Arbeiten stellen eine Transformation der ursprünglichen Empfindung zu einer Verbindung von Natur und Zeichenerfahrung dar, die auch spirituelle Erfahrungsräume offenbart.

Othmar Eder geboren 1955 im Tirol, lebt und arbeitet in Stettfurt
Webseite

2005
Roland Rüegg Zwischenraum 6.11.2005–18.12.2005

Dem Flüchtigen des Daseins, verkörpert in der Form der Gegenstände, hält der Bildhauer Roland Rüegg im Material die Beständigkeit des Gesteins entgegen. Was zurückbleibt, ist hier nichts Heroisches, es sind lauter wertlos gewordene Dinge wie Flaschen, Zeitungen oder alte Bücher. Der Künstler findet im Zurückgelassenen das Kurzlebige von heute als ‚Versteinerung’ von morgen.

Roland Rüegg geboren 1964, lebt und arbeitet in Wattwil
Webseite

Manfred Emmenegger-Kanzler ohne Titel 4.9.2005–16.10.2005

Was den Bildhauer Manfred Emmenegger-Kanzler fasziniert, ist die Welt streng tektonisch gebauter Formen und Raster. Auch die Reize seines Materials, des Steinzeugtons, setzt er nur sehr zurückhaltend ein. Die Werke sind geprägt vom Ausdruck der Stille und Verhaltenheit. Die abstrakten Formen stellen letztlich eine Metapher menschlicher Erfahrung dar. Manfred Emmenegger-Kanzler verwendet Geometrie nicht als formales System der Offenlegung und Rationalisierung, sondern als Verschlüsselung von emotionalen Inhalten in scheinbar klaren Strukturen.

Manfred Emmenegger-Kanzler geboren 1953, lebt und arbeitet in Ottersweiler D
Webseite

Matthias Frey heil+los 5.6.2005–10.7.2005

In seiner kontrastreichen Installation mit ihren inneren Zusammenhängen zwischen HEIL und LOS zeigt Matthias Frey auf, was Schrift, da wo sie in die plastische und zeichnerische Gestaltung eindringt oder diese gar bestimmt, auszulösen vermag. Die Sprache der Kunst verbindet der Künstler mit der Kunst der Sprache, indem er sich auf zwei Worte konzentriert, die er gestalterisch und inhaltlich im beflügelnden Gemäuer einer ehemaligen Bierbrauerei inszeniert. Zwischen "Heil" und "Los" ist der Mensch den physikalischen Kräften und schicksalhaften Mächten seiner Welt ausgeliefert.

Matthias Frey geboren 1953 in Lörrach D, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Eva Szecsödy Alice hinter den Spiegeln... 10.4.2005–15.5.2005

Eva Szecsödy ist auch ein wenig Alice. Sie zieht den Schleier weg und öffnet uns den unauslotbaren Raum spielerischer Kreativität, indem sie aus der gewaltigen Bilderflut unserer Zeit ihr Fantasieland herausfiltert. Wir blicken in eine lustvolle, sinnliche Welt und wir schauen gleichzeitig in einen Spiegel, in dem wir uns selbst entdecken.

Eva Szecsödy geboren 1940 in Ungarn, lebt und arbeitet in der Schweiz

Agnès Wyler Kraft der Farbe 13.2.2005–20.3.2005

Die Malerin Agnès Wyler hat sich mit leidenschaftlicher Hingabe auf das ‚Abenteuer Farbe’ eingelassen. Sie diskutiert die physischen und psychischen Wirkungen sowie die Frage, wie die direkte, reine innere Ausstrahlung der Farbe zur Anschauung kommen kann. Die Loslösung von Gegenständlichem ist für Agnès Wyler die Grundvoraussetzung, um die emotionale Stimmung von Farbe – ihren inneren Klang – freizusetzen und zu vermitteln.

Agnès Wyler geboren 1961, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

2004
Ralf Lücke Lottolite 7.11.2004–19.12.2004

Es ist das Entzauberte, Wertlose und Entrechtete, das Ralf Lücke zu seinen leuchtenden Geschichten über unsere Welt zusammenbaut. Die Auseinandersetzung mit dem Ausrangierten unserer Gesellschaft setzt neue Massstäbe im Wechselspiel zwischen Leben und Kunst, Ästhetik und Existenz. Die Hässlichkeit der Fundstücke verwandelt Lücke in seinen Licht-Objekten in eine – wenn auch leicht "schräge" – bedeutungsschwangere Schönheit.

Ralf Lücke geboren 1963, lebt und arbeitet in Braunschweig

Andreas Schedler Dehnbar 5.9.2004–17.10.2004

Im Raum der Kreativität und Phantasie ist nichts unmöglich. So wird das Feld künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten nach allen Seiten hin ausgedehnt. Andreas Schedler, der – frei von Grenzen – nicht alltägliche Blickrichtungen
und Sichtweisen ausprobiert und vorstellt, flüchtet nicht vor der Realität. Er erweitert den Horizont auf das reale Lebensumfeld, indem er Anstoss gibt, die Wirklichkeit zu überdenken und in Frage zu stellen. Erfinderisch entdeckt er ungeahnte Möglichkeiten für seine experimentellen Sprünge, das Sammelbecken Kunst in seine Richtung auszuweiten. Innerhalb der Gruppe Ohm 41 – von Künstlerinnen und Künstlern aus Wil und Umgebung – gehörte Andreas Schedler zu den Magiern. Seine Beiträge bezaubern und bleiben in Erinnerung.

Andreas Schedler
1959 - 2016
lebte und arbeitete in Bürglen bei Oberwangen TG

Martina Vontobel Intervall 6.6.2004–11.7.2004

Mit einem feinen Gespür für die architektonischen Stimmungen und Eigenheiten des Ausstellungsraumes entwickelt die Künstlerin Martina Vontobel ihre installativen Raumkonzepte. Der Zusammenklang des Hallengemäuers in Wil mit den darin schwebenden oder am Boden ausgelegten Elementen führt zu besonderen sinnlichen Raumerfahrungen. Alles Laute meidend, verwebt Martina Vontobel die Vergangenheit mit der Melodie ihrer aktuellen Kunst.

Martina Vontobel geboren 1968, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Maria Maier OrtsZeit 4.4.2004–9.5.2004

Die Künstlerin Maria Maier aus der Nähe von Regensburg/D vereint in ihrem Schaffen Fotografie und Malerei. Mit ihren Arbeiten öffnet sie den Raum der Problematik von Bild- und Abbildbeziehung. Die Aufnahmen, die während verschiedener Reisen entstanden, und die gestisch emotionale Malerei gehen keine Einheit ein, sondern stehen sich in einem dialektischen Spannungsverhältnis gegenüber. Aus dem Zusammenprall von Aussen- und Innenwelt erwachsen grundlegende Fragestellungen. Maria Maier bietet keine einfachen Lösungen, aber sie gibt eine mögliche - persönliche - Antwort.

Maria Maier geboren 1954, lebt und arbeitet in Köferinmg bei Regensburg
Webseite

Bruno Steiger Nachfahren 8.2.2004–14.3.2004

Unter dem Titel "Nachfahren" fasst Bruno Steiger neben anderen eine Reihe von Bildern zusammen, die unter Verwendung von Holzschnittdruckstöcken entstanden sind. Diese Bildstrukturen verweigern sich der eindeutigen Entschlüsselung und erproben in der Vielfalt des Kontrastes die Simultaneität von Bewegung. In der Mehrschichtigkeit der linear rhythmisierten Strukturen ergeben sich Räume von eindringlicher Impression und atmosphärischer Erscheinung. Es gilt den Bildraum sinnlich zu erfahren.

Bruno Steiger geboren 1955, lebt und arbeitet in St. Gallen

2003
Stefan Rohner Disappear 9.11.2003–21.12.2003

Blau erscheint die Welt aus grosser Distanz, blau erstrecken sich die Gebirgszüge am fernen Horizont, wo Himmel und Erde zusammentreffen. Blau ist seine Lieblingsfarbe und er ist ein Abenteurer im Reich der Fotografie: Stefan Rohner ist Akteur und Fotograf zugleich, im blauen Hemd ist er sein eigenes Modell. Sein Verhältnis zur Fotografie ist das eines Künstlers zu seinem Werkstoff. Die Welt, die sich in seinen Werken eröffnet, ist eine Welt der Kunst, betörend und überraschend. Mit dem festgefahrenen Koordinatensystem konventioneller Wahrnehmungserwartung kann man diesen Fotoarbeiten nicht beikommen. Um die künstlerischen Möglichkeiten der Fotografie auszuloten, bedient sich Stefan Rohner häufig der Bildreihe. Er selbst spricht dabei gerne von «Standfotos aus dem Lebensfilm». Dieser berichtet mit viel Phantasie und feinem Humor von unseren Hoffnungen und Sehnsüchten, von der steten Veränderung alles Materiellen.

Stefan Rohner geboren 1959, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Markus Daum Corpus Relicti 31.8.2003–12.10.2003

Das Interesse des bei Radolfzell am Bodensee lebenden und arbeitenden Bildhauers Markus Daum gilt dem menschlichen Dasein. Mit seiner skizzenhaft offenen Gestaltungsweise schafft er die Einheit von Stoff und Form, von Material und Vision, von Unruhe und Verwandlung. Was uns Markus Daum in seinen Eisengüssen und Zeichnungen sehen lässt, sind metaphysische Chiffren der "condition humaine".

Markus Daum geboren 1959, lebt und arbeitet in Radolfszell D und in Berlin
Webseite

Paul Suter Raumzeichen 1.6.2003–13.7.2003

Nach einer längeren Phase des Suchens und Experimentierens mit Stein, Glas, Beton und Eisen findet Paul Suter Anfang der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts zu einer nur ihm eigenen Form rein abstrakter, geometrischer Konstruktionen aus Eisen. Nach den Pionieren innerhalb der Schweizer Eisenplastik, die in den 40er-Jahren mit Metall arbeiteten, gehört er zur zweiten Generation. Zum internationalen Ansehen, das diese Schweizer Künstler in den beiden Jahrzehnten nach 1950 mit ihren realisierten Arbeiten errungen hatten, leistete er einen wichtigen Beitrag. Die «Blütezeit» der Eisenplastik hat das Bild unseres Landes in hohem Masse geprägt. In der Folge ist Stahl zum klassischen Material in der Kunst des 20. Jahrhunderts geworden. Der rebellische, provokative Klang dieses Werkstoffs, wie er in den 60er-Jahren noch bestand, hat sich verloren. Im breit gefächerten Konzert der europäischen Plastik spielt Paul Suter ein Soloinstrument. Er zählt zu den profiliertesten Gestaltern, die ihre Werke mit Eisen realisieren und durch Intensität und Eigenständigkeit international bestehen können.

Paul Suter 
1926 - 2009
war ein Schweizer Bildhauer

Lucie Schenker Kunst Stoff 6.4.2003–11.5.2003

Beharrlich und konzentriert bleibt Lucie Schenker ihren Themen Licht und Transparenz in sich wandelnder Formenwelt voller Überraschungen treu. Mit der Installation in der Kunst halle Wil schlägt sie ein neues Kapitel in ihrem OEuvre auf. Es geht darin um die Erforschung neuer Materialien – wie Plexiglas und Plastikfolie – auf ihren assoziativen Gehalt in der per sönli chen Kreation. Das krause Drahtgespinst früherer Raumplastiken ist nun isoliert und durch starke Vergrösserung als Einzelform zur kalligraphischen Struktur mutiert. Diese ent faltet sich kurvenreich im Raum. Ohne deskriptive Aufgabe gewinnt sie einen ursprünglich bild haften Charakter. Sinnliches Material- und Farberleben verbindet sich mit der Poesie der andeutend offenen Geste.

Lucie Schenker geboren 1943, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Urs Lengwiler Ein wissenschaftliches Tagebuch 2.2.2003–9.3.2003

Mit drei Eulen empfängt Urs Lengwiler vor dem Durchgang zur Ausstellung die Besucher der Installation. Wie lebendig durch die Kunst des Präparators schauen sie von ihren hohen Stelen herunter. Weitere ausgestopfte Eulen und Bälge sind in die Rauminstallation integriert. Zuerst verweisensie als Untersuchungsobjekte auf eine Wissenschaft, die vom Toten aus das Lebens erforscht. Eulen sind Vögel der Nacht, deren Schrei im Aberglauben als unheilbringendes Omen vernommen wird. In der Antike galten sie als Unterwelts- und Totenvögel. Aesop beschreibt in seinen Fabeln den Steinkauz als klügsten aller Vögel. Er ist der heilige Vogel der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit, Schutzpatronin der Künste und der Wissenschaft. Für die Schamanen galten Vögel über Jahrtausende als Hilfsgeister, um zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt der Götter zu vermitteln. In der Installation sind die Eulen Symbol für eine Wissenschaft, die Licht in das Dunkel der Geheimnisse der Natur bringen will und für eine Kunst, die über das Sichtbare hinaus blicken möchte.

Urs Lengwiler geboren 1967, lebt und arbeitet in Zürich

2002
Hans Schüle Hybride 10.11.2002–22.12.2002

Mit Metall dreidimensional zu arbeiten heisst für Hans Schüle, eine spezielle Technik so zu entwickeln, dass sich wie bei verschiedenen Arten einer Gattung ganz unterschiedliche Form findungen innerhalb einer Familie realisieren lassen. Seine Plastiken wachsen aus einfachen Grundformen, die ein rein auf sich bezogenes Spannungspotential aufbauen und dennoch Konstruktion und Dinger fahrung verbinden. Er verschmilzt eine eigenwillige räumliche Vorstellungskraft mit handwerklichem Wissen und künstlerischer Erfahrung. Mit der Vielseitigkeit seiner Werkstoffe Kupfer, Messing und Stahl experimentiert Schüle varian tenreich mit vollrunden Objekten ohne Standfläche, weder Liegen noch Stehen themati sierend. Häufig hängen sie an der Wand oder von der Decke frei im Raum. Sein bisheriges Werk umfasst hohle, aus Blechen zusammengenietete allansichtig konstruierte Volumen, ineinander verschlungene Kupferbänder, die als federnde Raumkurven von der Decke hängen oder filigrane, aus einem bestimmten Grundmodul vernetzte Gebilde.

Hans Schüle geboren 1965, lebt und arbeitet in Berlin
Webseite

Ohm 41 Wildwechsel 1.9.2002–13.10.2002

Am Geschenk der Betonplastik «Welcome» an die Stadt Wil, die zuerst auf dem Bahnhofvorplatz plaziert war, entzündete sich bei den Künstlern der Unwille über die Kulturpolitik der Stadt.Ohm 41, wie sich die Gruppe aus Kulturschaffenden von Wil und Umgebung nannte, verhüllte den Stein des Anstosses mit einem rostigen Stahlkubus. Aus dem Protest über «Langwil» ergaben sich Ausstellungen im öffentlichen Raum; 2001 in der Altstadt und dieses Jahr mit «Wildwechsel» zusätzlich die untere Bahnhofstrasse mit einbeziehend. Gleichzeitig wird die Kunsthalle Wil am neuen Ort, im Hof, mit einer Ausstellung von Mitgliedern der Gruppe Ohm 41 und Gästen eröffnet. Dadurch erhalten die Künstler die Gelegenheit, unterstützt durch Stadt und Kanton, ihre kreativen Ideen unbehelligt von Sachzwängen frei präsentieren zu können. Unter den bisher von der Kunsthalle Wil durchgeführten Veranstaltungen ist es die dritte, umfangreiche Gruppenausstellung. Dem Stilpluralismus in der Kunst unserer Gegenwart entspricht die formale und inhaltliche Vielfalt der Exponate. Die Möglichkeit des direkten Vergleichs lässt die unterschiedlichen Haltungen im Umgang mit Material und Konzept als Kontrast oder Beziehung klar werden.

Ohm 41
Netzwerk der Kunst
geboren 2000
lebt und arbeitet in und um Wil SG
Webseite

Michael Flynn Mächtig bewegt 9.6.2002–14.7.2002

Michael Flynn bringt Bildwerke hervor, die in Individualität und Aussagekraft thematisch differenziert zur figürlichen Bildlichkeit Stellung nehmen. Durch plastische Form, Bewegung und Raum bringt er Sinnliches und Geistiges zum Ausdruck. Innere Dynamik, die hervorbrechenden Kraftströme fasst er in ausgreifenden Bewegungsrhythmen. Er bringt das geschmeidige Erdmaterial in expressiver Form selbst zum Sprechen und leistet so seinen unnachahmlichen Beitrag zur figürlichen Plastik unserer Zeit.

Michael Flynn geboren 1947, lebt und arbeitet in Cardiff GB
Webseite

Hermi Breitenmoser Malerei als Berufung 7.4.2002–12.5.2002

Erste Anregungen und praktische Anweisungen zum eigenen Schaffen erhielt Hermi Breitenmoser von seinem Freund, dem Bildhauer Urban Blank. Die eigentliche Horizonterweiterung in Sachen Kultur geschah durch die Hofgesellschaft, deren Mitglied er mit knapp zwanzig Jahren wurde. Einmal wöchentlich trafen sich Dichter, Philosophen, Künstler und Musiker zu angeregten Diskussionen über Kunst, Literatur, Gott und die Welt. Im kleinen Orchester dieser Gruppe spielte Hermi Breitenmoser Violine. Neben dem gemeinsamen Musizieren fanden Lesungen von Dichtern statt, mit Berühmtheiten wie Werner Bergengruen. Daneben lasen und besprachen die Mitglieder Werke der Weltliteratur. Goethes «Faust» ist Hermi Breitenmoser als epochales, die Tiefen des Menschseins auslotendes Werk noch heute unvergesslich. Im Hof, wo die Gesellschaft zusammenkam, organisierte sie Kunstausstellungen. Das lebhafte Interesse Hermi Breitenmosers an den verschiedenen Künsten fand hier reiche Nahrung und Anerkennung. In vielen Fällen hat die Hofgesellschaft auch Brauchtum und Folklore neuen Sinn gegeben, ohne dass damit der Blick auf grössere Zusammenhänge verstellt worden wäre. Inzwischen fand manches aus dieser Zeit seinen Niederschlag im malerischen Werk, auch wenn sich dieses stetig weiterentwickelt.

Hermi Breitenmoser
1922 - 2005
aus Wil SG

Verena Kälin-Squaratti Fassbare Unschärfe 3.2.2002–10.3.2002

Aus dem Gummi von ausgemusterten Fahrzeugschläuchen aller Art, die längst der Vergangenheit angehören, kreiert Verena Kälin-Squaratti ihre «Hüllen», die beinahe aussehen wie antike Keramikgefässe aus schwarz- oder rotbrennendem Ton. Die Objekte sind freilich nicht starr, sondern weich, und suggerieren Bewegung, da sie selten völlig senkrecht, eher leicht geneigt dastehen. Der gefässhafte Charakter dieser Formen verbindet sich mit der Vorstellung des weiblich gerundeten Torso. In allen Kulturen hat der Mensch in anthropomorphen Formen dem Gefäss seine eigene Gestalt gegeben und seine Teile Fuss, Bauch, Schulter und Hals benannt. Die Silhouette evoziert eine Frau im eng anliegenden Schlauchkleid der 80er-Jahre. Noch verstärkt durch die prägnante Längsnaht mit ihrem Aspekt der Schnürung liegt der Gedanke an Korsett und Gummierotik nahe. Bei den «Hüllen» wird der Schlauch nicht wie bei den Büsten zum anonymen Material. Die grosse, unter den Reifen versteckte Ästhetik der Fabrikationsspuren, wie Gussnähte, Aufschriften, unterschiedlichste Strukturen und Flicke, kann sich durch die Aufteilung der einstigen Schläuche fragmentarisch, dafür nur umso eindrücklicher entfalten. So berichten uns die «Hüllen» von einer der folgenreichsten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts: dem Automobil mit all seinen positiven wie negativen Seiten. Über die Gesamtinstallation hinaus wird jede einzelne Plastik zum Gefäss weitreichender, assoziativer Gedanken. Haben wir doch materiell einen Gegenstand vor uns, der in sich kreisend vielleicht schon mehrfach die Welt umrundete, der unzählige Lasten, Hoffnungen und Sehnsüchte zu ihren Zielen transportierte.

Verena Kälin-Squaratti geboren 1945, lebt und arbeitet in Olten

2001
Ursula Bohren Magoni / Claudio Magoni Rot sehen 11.11.2001–23.12.2001

Werden Ursula Bohren Magoni und Claudio Magoni zu einer Ausstellung eingeladen, gehen sie nicht ins Atelier, um eine passende Arbeit auszusuchen. Zuerst lassen sie den Ort auf sich einwirken: im Freien die Landschaft, im öffentlichen Raum die Örtlichkeit, in der Kunsthalle die räumliche Situation und die Umgebung. Ihr Schaffen wird nicht vom Reiz der Materialien, einer bestimmten Form, einer als Stil erkennbaren Handschrift bestimmt, sondern durch gemeinsam aus-gedachte, erarbeitete ortsbezogene Projekte. Im subtilen und fantasievollen Eingehen auf eine bestehende Situation, die sie mit ganz unterschiedlichen Mitteln verändern, um so immer wieder andere akustische und optische Erlebnisse auszulösen, lassen sie den Ort einmal anders sehen. Die Eingriffe bestehen nicht in einem rein intellektuellen Konzept, die ausgeführte Idee vermittelt durchaus sinnlich wahrnehmbare Erlebnisstrukturen, die zu weiterführenden Gedanken Anregung geben.

Ursula Bohren Magoni / Claudio Magoni
Ursula Bohren Magoni (1953)
Claudio Magoni (1951)
leben und arbeiten in Basel
Webseite

Helmut Massenkeil Bewegung in der Ruhe 1.9.2001–14.10.2001

Als Bildhauer hat sich Helmut Massenkeil an der menschlichen Figur geschult und seinen Sinn für Proportionen und Volumen sowie für deren Verhältnisse zueinander geschärft. Vor allem in seinem zeichnerischen und malerischen Schaffen ist der weibliche Akt eine Herausforderung geblieben, die ihn, neben seinen abstrakten Arbeiten, die Aspekte der räumlichen Entfaltung stets neu erforschen lässt. Was den Künstler daher interessiert, sind weniger porträthafte Wiedergaben, sondern die im Bildgeviert eingespannte Form sitzender, kauernder, liegender oder stehender Körper. Die im figürlichen Schaffen gemachten Erfahrungen bleiben auch in seinen abstrakten Arbeiten wirksam. Sie vermitteln letzteren jene Berührungspunkte, die – reduziert zeichenhaft – den Menschen miteinbeziehen. Dies wird besonders bei den Wippen, die sich bewegen lassen, spürbar, obwohl sich deren Form vom Architektonischen herleitet.

Helmut Massenkeil geboren 1949, lebt und arbeitet in Aschaffenburg D
Webseite

Ruth Amstutz White steps 10.6.2001–15.7.2001

In den letzten Jahren hat sich Amstutz eine persönliche Formenwelt aufgebaut, die über - arbeitet und schrittweise mit neuen Ideen erweitert wird. Dazu gehört einmal die von der Künstlerin als «Köpfe» bezeichnete Arbeit; ein konzeptuelles Werk. Es besteht aus einer Reihe von abgeflachten Hügel for men, bezogen auf den Kopf von Hirnschädeln oder Schädelkalotten, dem Sitz des Denkens und Fühlens. Das entspricht dem Teil des Kopfes, den wir mit Mützen vor Kälte, mit Strohhut vor Hitze und mit dem Helm vor Verletzungen schützen. Die klaren, auf Silhouettenwirkung angelegten Objekte sind wie alle Arbeiten von Ruth Amstutz aus einem hellen Steinzeugton geschaffen. Ihre Oberflächen sind vor dem Brand fein geschliffen worden, dem Tastsinn schmeichelnd wie zarte Haut.

Ruth Amstutz geboren 1962, lebt und arbeitet in Bern

Roland Guggenbühler ohne Titel 8.4.2001–13.5.2001

Gewaltige Erschütterungen, Eruptionen und Katastrophen prägten das topographische Bild, das wir von der Schweiz kennen. Hohe Gebirge, tiefe Täler, Seen und Meere sind auf dem Weltglobus gut zu sehen. Kaum waren die Berge aufgeworfen und die Vulkane erkaltet, setzten mit ihrem Abbau vielfältige Veränderungen ein. Sowohl Erdbeben aus dem Innern als auch die Witterung von aussen tragen dazu bei – sie haben ihr Werk noch nicht abgeschlossen. Sinkende und steigende Temperaturen, Wind und Wasser sind die Mittel, deren sich der berühmte «Zahn der Zeit» bedient. Gletscher haben Täler ausgehobelt, Felsbrocken und Steine über weite Strecken transportiert und bei ihrem Rückzug liegen lassen. Wasser fliesst in die Ritzen und Spalten, gefriert und sprengt den härtesten Fels. Was zu Tale stürzt und dabei in abertausend Stücke zerspringt, schwemmen die Fluten beim nächsten Gewitter, wenn der Himmel so richtig seine Schleusen öffnet, in Bächen und Flüssen davon. Zur Veränderung im Grossen in der Landschaft läuft parallel die Wandlung im Kleinen. Ausführlich berichten uns davon die Findlinge und Kieselsteine. Über Hunderte von Kilometern ging ihre Reise in Eis, Schnee und Wasser abwärts, und dabei vollzog sich die grundlegende Wandlung vom Bruchstein mit scharfen Kanten und Spitzen zum gerundeten, sanften, im feinen Sand beinahe polierten Kiesel. In ihnen äussert sich die schaffende Kraft des Wassers. Wir vernehmen, auf den Menschen bezogen, von der Reise als Mittel zur Reife, bei der die rauen Ecken und Kanten im Fluss des Lebens geglättet werden. Auf ihrer langen Reise nähern sich die verschiedenen Gesteine zwar einander an, aber jedes erhält eine «artspezifische Form» – es nimmt eine kugelrunde, ovale, eher flache oder auch gerundet quadrige Gestalt an.

Roland Guggenbühler
1952 - 2007

Jan Kaeser / Martin Zimmermann Wolkenschuhe 4.2.2001–11.3.2001

Das «Riesenrad» ist nicht nur eine zeitlose Attraktion, es kann auch als Symbol für so manches im Menschenleben betrachtet werden. Unten steigt man ein, kommt schrittweise hoch zum Zenit und wieder zurück nach unten zum Ausstieg. Mit einer Umdrehung verbindet das Rad unten und oben – Himmel und Erde. Wenn Jan Kaeser und Martin Zimmermann auf Plakat und Einladung ihrer Ausstellung Riesenrad und Schachtdeckel je hälftig zur Ellipse kombinieren, verweisen sie auf Polares. Im Zentrum der drei in der Kunsthalle Wil gezeigten Werke steht unsichtbar der Mensch. Dessen Körpergefühl wird durch wenige Richtungen bestimmt: vorne und hinten, rechts und links, unten und oben. Es sind dies die horizontalen und vertikalen Orientierungen im Raum. Aus den Gemeinschaftsarbeiten des letzten Jahres von Kaeser und Zimmermann lassen sich durchaus Verbindungen zu den drei Inszenierungen in Wil herstellen. Da sind einmal die Themen Weg und Orientierung bei den Arbeiten «Wegweiser» bei Pontresina und «Color bars» in Kreuzlingen. Die Installation «schwarz-weiss» in Teufen bezieht ebenfalls den Faktor Zeit mit ein, die Bewegung verläuft hier jedoch vertikal und nicht horizontal. Die anfänglich an der Decke schwebenden, schwarzen und weissen Luftballons sinken allmählich zu Boden und verwandeln das Deckenbild über die Phase der oben und unten sichtbaren Ballons zur begehbaren Bodeninstallation. In der Symbolsprache ergeben sich aus Richtungen und hell-dunkel, gut und böse, Himmel und Hölle oder eben Riesenrad und Kanalisation.

Jan Kaeser / Martin Zimmermann
Jan Käser (1966)
Martin Zimmermann (1965)
leben und arbeiten in St. Gallen
Webseite

2000
Jacques Kaufmann Structures de boue 12.11.2000–30.12.2000

Im Schaffen von Jacques Kaufmann hat das keramische Material keinerlei dienende Funktion zu übernehmen. Es stellt nichts anderes dar als sich selbst, berichtet nichts anderes als von seiner eigenen, spannungsvollen und mit uns Menschen unabdingbar verflochtenen Existenz. Mit Lehm erzählen heisst für ihn, vor dem Hintergrund der alten Traditionen eine neue Sprache zu finden. Nur der Künstler kann mit Backsteinen so wie das Kind mit seinen Bauklötzchen spielerisch umgehen. Kaufmann baut ohne Mörtel schräg stehende Mauern auf, die sich kurvig durchdringen. Er schichtet die Backsteine quer auf ein Kreissegment aus Granit, so dass die Löcher sichtbar sind und sich das Ganze als schaukelnde Mauer präsentiert. Der feste Fels, auf den man baut, wird hinterfragt und ein ganzer Strauss von Beziehungen zwischen dem Urgestein Granit und dem gebrannten Ton in den Raum gestellt. Dann verbindet der Künstler die Steine auch mit Zement zu runden und eckigen Skulpturen, die er mit Fräsen und Meissel überarbeitet.

Jacques Kaufmann geboren 1955, lebt und arbeitet in Frangy F

Anita Zimmermann Laufwerk: Zeichnung 17.9.2000–22.10.2000

Aktiv leben und sich darüber Gedanken machen, heisst für Anita Zimmermann zeichnen. Es ist ein Zeichnen als handschriftliches Kontinuum auf billigem Alltagspapier. Die Künstlerin lehnt es ab, «schöne» Zeichnungen auf Büttenpapier zu zaubern. Sie möchte mit ihren zeichenhaften Blättern weiterführende Gedanken und Ideen zu unserer Gegenwartswelt auslösen. Nicht die Zeichnung selbst ist das Endprodukt, sondern das, was durch deren Intensität im Betrachter evoziert wird. In den vergangenen zwei Jahren ist sie weniger mit neuen Arbeiten auf Papier, sondern vor allem mit Aktionen an die Öffentlichkeit getreten.

Anita Zimmermann geboren 1956, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Gerhard Mayer Holzschlichten 11.6.2000–16.6.2000

Die Bäume wachsen stets in Richtung Himmel. Nahe beisammen streben sie als Wald im gegenseitigen Wettstreit kerzengerade zum Licht. Mit solchem schlank gewachsenem Stammholz arbeitet Gehard Mayer bei seinen bis zu 31m langen installativen Werken. Kennzeichnend für die Arbeiten von Mayer ist, dass sich diese in einer bestimmten Raumsituation eine Offenheit oder Beeinflussbarkeit bewahren und vor allem, dass sie den jeweiligen Umraum als Konstituierendes aufgreifen und in das endgültige Kunstwerk integrieren. Die Installationen gehen einerseits auf vorgefundene Raumverhältnisse oder Proportionen ein, andererseits verändern sie den ursprünglichen Raumeindruck zum ästhetisch und geistig aufgeladenen Raumerlebnis.

Gerhard Mayer geboren 1962, lebt und arbeitet in Nürnberg

Anna Margrit Annen Hellblau ist dabei 9.4.2000–14.5.2000

Mit Sprache, in Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten, erforschte Anna Margrit Annen das aktuelle Zeitphänomen, die Schnelllebigkeit im Bezug auf die Kunst. Als Instrument der Weltsicht ist die deutsche Sprache ja ausserordentlich reich an Ausdrücken zu zeitlichen und räumlichen Dimensionen. Aus der Beschäftigung mit Fragen zu Rhythmus und Geschwindigkeit begann sich die Künstlerin verstärkt mit Phänomenen räumlicher Entfaltung bildnerisch auseinanderzusetzen. Die Themen Zeit und Raum fliessen ineinander und durchdringen sich gegenseitig in den Werken, die, Zeiträume öffnend, von möglichen Raumerlebnissen berichten. Denn das Bild vermag gefühlsmässig in jene Bereiche vorzudringen, bei denen die Sprache versagt.

Anna Margrit Annen geboren 1951, lebt und arbeitet in Luzern
Webseite

Kaspar Toggenburger Bilderfluss 6.2.2000–12.3.2000

Nach Paris zieht Kaspar Toggenburger im Jahr 1984, gerade als sich das Interesse der Kunstwelt auf die aktuellen Zentren der «neuen Malerei» in Deutschland fokussiert. So bedeutet die Reise nach Paris und die Begegnung mit der expressionistischen Lyrikerin Henriette Hardenberg eher eine Reise zu sich selbst als ein Aufbruch zu neuen Ufern. Denn in Paris findet er zu seiner besonderen Arbeitsform – der Skizzenkette, einer Folge von in einem Fluss gezeichneten Bildern im Format A4. Alle in den letzten Monaten in Berlin und Winterthur geschaffenen Sequenzen dieses nun seit 1990 anwachsenden «Bilderfilms» werden unselektioniert in der Kunsthalle vorgeführt.

Kaspar Toggenburger geboren 1960, lebt und arbeitet in Winterthur und Züberwangen
Webseite

1999
Pi Ledergerber Monolithe 6.11.1999–26.12.1999

Vom Fels der Berge herausgebrochen, verschifft, per Bahn ausgeliefert, erhält der Bildhauer Pi Ledergerber seine Kuben, Quader und Platten. Unterschiedliches Gestein in Form grosser Blöcke bildet sein Ausgangsmaterial. Jeder Stein erfordert eine besondere technische Behandlung und eine Formgebung, welche die spezifischen Möglichkeiten seiner Struktur zum Tragen bringt. Das Material wirkt stilbildend innerhalb der Vorstellung von Ledergerber. Als Bildhauer, der unmittelbar – ohne vorgängiges Modell – am Material arbeitet, durch die sogenannte "taille directe", hat er einen scharfen Sinn für die persönliche Wesensart der inneren Bindung seiner Gesteine erworben. Das sinnliche und geistige Erlebnis des Steins ist ein Teil der plastischen Idee selbst. Auch im verwandelten Stein bleibt das Natürliche gegenwärtig – die Skulpturen erinnern an verwitterte Felsen, doch der menschliche Formwille ist spürbar. Ledergerber fasst die sichtbare Welt und die Welt seiner reinen Vorstellung in räumlicher, drei - dimensionaler Körperlichkeit auf.

Pi Ledergerber geboren 1951, lebt und arbeitet in Burgdorf
Webseite

Emil Siemeister Chorea 4.9.1999–10.10.1999

In seiner Ausstellung in Wil thematisiert der Künstler die Erscheinung eines Krankheitsbildes: Huntington-Chorea. Diese Erkrankung des zentralen Nervensystems führt zu Bewegungsstörungen, d.h. zu schnellen, unwillkürlichen Zuckungen von Armen, Beinen und Gesicht. Die vom Gehirn gesteuerten Bewegungen sind nicht kontrollierbar. Betroffene werden Zuschauer “ihres eigenen motorischen Programmes – es entwickelt ein Eigenleben, (das) wie eine zweite physiologische Masse im selben Körper” funktioniert. Auf das Phänomen der In-Besitznahme durch fremde Kräfte verweisen Ausstellungselemente wie “Der Tisch” und “Das Pult”. Der Tisch figuriert hier als Zentrum spiritistischer Seancen. Bei diesen ergreifen fremde Stimmen Besitz von einem menschlichen Medium, machen sich durch dieses hörbar.
Die Ausstellung gibt Einblick in das vielseitige und vielschichtige Schaffen von Siemeister; in sein Bemühen, Bewegtsein und Bewegung in bedeutungsreichen Äusserungen künstlerisch auszuloten. Die Aura der einzelnen Elemente von “Chorea” entspringt nicht nur direkt aus diesen selbst, sondern ergibt sich auch aus ihren wechselseitigen Beziehungen untereinander sowie aus jenen zum Raum, in dem sie inszeniert werden. Dabei sollen Regungen und Stimmungsschwingungen erklingen.

Emil Siemeister geboren 1954, lebt und arbeitet in Königsdorf A
Webseite

Thomas Kohl Vom Säntis 5.6.1999–11.7.1999

Dem Bild der Landschaft, die sich im Laufe der Jahrhunderte vom blossen Hintergrund zumeigenen Thema entwickelte, hat sich der Maler Thomas Kohl verschrieben. Land und Bergestehen im Brennpunkt seines Malinteresses. Für die Ausstellung in der Kunsthalle Wilerwanderte er das Gebiet des Säntis. Die aus der Wirklichkeitssituation gewonnenen Eindrücke des in seiner exponierten Lage die weite Alpenlandschaft vorwegnehmenden Berges eröffneten ihm neue Bildlösungen. Das Thema dieser Ausstellung mag dazu verführen, den Akzent auf den Inhalt zu legen, Berglandschaft und Natur als Bildgegenstand überzubewerten. Die Bilder von Kohl gehen zwar mit diesem Thema um, trotzdem ist die Ausstellung auch eine Reflexion über Malerei, bei der das Gebirge zum Mittel genommen ist, für sich die Möglichkeiten der Malerei unserer Gegenwart auszuloten und vorzustellen.

Thomas Kohl geboren 1960, lebt und arbeitet in Geilnau/Lahn D
Webseite

Elisabeth Nembrini Dangereux dangereuse 10.4.1999–16.5.1999

Vom Material her gesehen, stellt die Ausstellung eine «hommage» an das Selbstklebeband dar. Elisabeth Nembrini demonstriert seine Wandlungsfähigkeit im Bereich künstlerischer und materialimmanenter Ausdrucksmöglichkeiten. Das moderne Klebeband hat schon als profaner Gebrauchsgegenstand eine multifunktionale Aufgabe. Primär hält es zwei oder mehrere Teile von etwas zusammen und ist Träger unterschiedlicher Informationen – über die Beschaffenheit oder die Herkunft eines Schachtelinhaltes, über die verpackende Firma, oder es weist mit Blümchen und Sternen auf seinen Geschenkcharakter hin. In ihrem Schaffen lässt Nembrini ihrem Medium nicht seine ihm zugedachte Funktion. Sie verpackt nichts, aber sie macht das Klebeband zum Träger von Inhalten, die von der ambivalenten, beziehungsreichen Welt von Innen und Aussen berichten.

Elisabeth Nembrini geboren 1960, lebt und arbeitet in Berg
Webseite

Hans Rudolph Schweizer Nächtliche Schwimmer 6.2.1998–7.3.1998

Aus dem gewaltigen Fluss von Bildern, Texten und Geräuschen, die uns alle überfluten, zweigt der Künstler nach seinem persönlichen Empfinden das, was ihn beschäftigt, ab, um mit seiner Kunst darauf zu reagieren. Er nimmt Impulse auf, verarbeitet sie und filtert daraus seine Ideen, die er in die Werke fliessen lässt, die seine Botschaft verbreiten. Für Hans Rudolph Schweizer sind dies Prozesse, Bewegung – Aktionen, die er im Hauptbahnhof und am Limmatquai in Zürich durchführte, oder kinetische Installationen. Auch das akustische Element ist ihm wichtig, nicht nur bei den akkumulierten "Lautsprecherbrillen" von 1997. In seinem aktuellen Schaffen nimmt Wasser als Materie wie als Symbol für Bewegung und Wandlung eine zentrale, zeichenhafte Funktion ein.

Hans Rudolph Schweizer geboren 1962, lebt und arbeitet in Küsnacht

1998
Philippe Barde Kritische Masse 7.11.1998–27.12.1998

Im Bestreben, die inneren Kräfte des Erdmaterials zu verstehen und ihnen sinnlichen Ausdruck zu verleihen, legt er den Bezug zum Stein, in den sich die Tone während des Brennprozesses zurückverwandeln, offen dar. Bei aller Unterschiedlichkeit der Formulierungen fand Barde seinen «Stil», der sich im Inhalt der Plastiken und besonders in einer bestimmten Haltung zum Werkstoff äussert. Im Prozess von Betrachtung und Nach denken sucht er spezifische Lösungen, als Fussstapfen auf dem Pfad des Erkundens von Möglichkeiten, um mit einem natürlichen Stoff unserer Welt persönliche Erfahrungen mitzuteilen.

Philippe Barde geboren 1955, lebt und arbeitet in Ste-Croix

Annette Sense No parking area 5.9.1998–11.10.1998

Andy Warhols berühmter Blick aus dem Fenster liess ihn die amerikanische Alltagswelt entdecken und in seine Bilder ein - bringen. Schaut Annette Sense aus dem Fenster, sieht sie noch alltäglicheres, viel weniger spektakuläres. Ihr Blick fällt wirklich auf die Strasse und nicht auf Reportagen am TV-Bildschirm. Besonders im Umkreis von Baustellen findet sie das Material, das in ihr künstlerisches Konzept passt. Zuerst waren es Stahlrohre, die sie für ihre Farbfeldmalerei benutzte. Dann entdeckte sie die bereits industriell farbig lackierten Abschrankungen und Markierungen aller Art, gefolgt von grossen Leitungsröhren. Stahlrohre wie Tonröhren wurden auf Lagerregalen zu variablen Inszenierungen angeordnet. Das Regal - system wendete Annette Sense auch bei grossen, bildhaften Wandarbeiten an, bei denen sie ausgehend vom Muster rot-weisser Abschrankungslatten persönliche Kompositionen kreierte.

Annette Sense geboren 1961, lebt und arbeitet in der Schweiz
Webseite

Michael Felix Langer Im Diesseits steckt das Jenseits 6.6.1998–12.7.1998

Mit ganz unterschiedlichen Materialien und den entsprechenden Formgebungen stellt sich der Bildhauer Michael Felix Langer in der Kunsthalle Wil vor. Papier aus organischer Substanz, Glas aus Mineralien und Asche geschmolzen und das Schwermetall Blei bilden die Medien seiner Gestaltung. Formal baut sich die Gesamtinszenierung entsprechend den räumlichen Gegebenheiten aus zwei Teilen auf. In der Eingangshalle hängen Bleistrukturbilder, im grossen Raum hat Langer eine plastische Installation eingerichtet. Den illusionären Räumen der Bilder, in die sich der Betrachter nur imaginär versenken kann, antwortet die real bertretbare Inszenierung, die ihn mit dreidimensionalen Körpern direkt, physisch erlebbar, konfrontiert. So unterschiedlich die beiden Erlebniswelten, die sich dabei eröffnen, sind, stellen sie doch eine inhaltliche Einheit dar. Durch sie versucht der Künstler, sich dem Unsagbaren zu nähern. Der Tod bleibt die letzte konstante Grösse in einer sich dauernd verändernden Welt. Unverändert bleibt die Tatsache – das Bild jedoch, das sich die Künstler davon machen, ist stetem Wandel unterworfen. Wo die Worte versagen, beginnt das Bild.

Michael Felix Langer geboren 1954, lebt und arbeitet in Berlin

Verena Thürkauf Gehen & Sehen 4.4.1998–10.5.1998

Der Raum der Kunsthalle Wil dient als Gefäss möglicher Begegnungen. Die Begrenzung des Raumes beschneidet immer wieder einzelne Wörter und lässt erkennen, dass sich das Geflecht der Texte imaginär über die Wände des Ausstellungsraumes hinweg nach allen Seiten hin weiter ausbreitet. Die Zeit des Schreitens steht im Dialog mit der Zeit des Lesens sowie mit der Zeit der Entstehung von imaginären Bildern, welche die betrachtende Person miteinbeziehen. Durch die Anordnung der verschiedenen Texte ergibt sich weder ein klarer zeitlicher Ablauf noch eine erzählende Abfolge. Es sind Fragmente,Vernetzungen, beliebige Ausschnitte aus Texten, die man selber weiterspinnt und untereinander verknüpft. Die Betrachterinnen und Betrachter schreiben ihre eigene Geschichte in dem Moment, wo sie sich räumlich zu bewegen beginnen und willentlich die Szenenabfolge bestimmen.

Verena Thürkauf geboren 1955, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Steffen Schöni Projektionen 31.1.1998–8.3.1998

Als Abenteurer im Reich des Sichtbaren erforschen Heidi Schöni Steffen und Karl W. Steffen-Schöni Ausdrucksmöglichkeiten verschiedener künstlerischer Prozesse. Sie als Malerin, er als Fotograf erarbeiten sich Ideen für Performancevorstellungen, Videowerke und fotografische Bilder. Was sie beschäftigt, ist nicht das repräsentative Einzelwerk, sondern die sich in Zyklen und Reihen entwickelnden Werkgruppen, das Experimentieren mit unterschiedlichen Mitteln der Bilderzeugung und -wiedergabe. Kunst ist für Steffen Schöni der grosse Dschungel, in dem sie mit ihren Werken Pfade legen. Vieldeutig sich kreuzend lassen sich die Neuesten in der Kunsthalle
verfolgen.

Steffen Schöni
Heidi Schöni Steffen(1953)
Karl Steffen Schöni (1953)
leben und arbeiten in Schmidshof
Webseite

1997
Toni Calzaferri ohne Titel 8.11.1997–28.12.1997

Traum und Denken sind zwar ungeliche Geschwister, existieren aber nur in der Synthese, und beide lassen sehen und erleben. In sich erfühlt und erlebt, also der Natur abgeschaut sind die von Toni Calzaferri geschaffenen Arbeiten. Leicht wirkende, schwere Kunstwerke zu kreieren hält ihn auch in abschüssigen Zeiten in der "Lebensbalance". Wer im Wald nur Brennholz sieht, dem werden seine Werke nur von Schrott erzählen. Wer den Wald als den Elementen ausgesetzte, vielfältige Lenbensgemeinschaft hört und erlebt, dem berichten sie von Dasein selbst. Im Verhältnis zur Natur enthüllt sich das Verhältnis zu sich selbst. Die Arbeiten von Toni Calzaferri lassen dies als Form gewordene Gefühle überdenken.

Toni Calzaferri
1948 - 1999

Ursus A. Winiger Parallelen 6.9.1997–12.10.1997

Ursus A. Winiger bleibt Traditionalist, er erarbeitet seine Netzwerke ohne Computer. Sie lassen uns wie die Musik, die direkt und ohne jede Übersetzung uns Menschen berührt, Stimmungen sehen und Gefühle erleben, die der Künstler in das Netz seiner Parallelen verwoben hat. Seine klaren Strukturharmonien, Klangfiguren und Kraftfelder sind Zeichnungen einer lebendingen Welt und zeugen von einem freien Kräftespiel des Geistes.

Ursus A. Winiger geboren 1942, lebt und arbeitet in Jona

Paul Louis Meier ohne Titel 7.6.1997–13.7.1997

Zeichnend und modellierenden setzt sich der Bildhauer Paul Louis Meier mit der Menschenfigur auseinander. Längst verwenden Künstler abstrakte Raster und Muster, um über das Menschsein zu berichten und sich nitzuteilen. Für Paul L. Meier ist der Mensch noch immer als Form, als Schicksal, als Symbol bildwürdig. Dieses Um-ein-Thema-Kreisen, es in seiner Vielfältigkeit und Dichte, aber auch in seinen Beziehungen zu anderem zu erkennen, prägt sein künstlerisch-schöpferisches Wesen.

Paul Louis Meier geboren 1950, lebt und arbeitet in Luzern

Enrique Mestre ohne Titel 12.4.1997–18.5.1997

Enrique Mestre schliesst sich in seinen Werken an die grossen Inhalte, Normen und Topoi der auropäischen-mittelmeeerischen Kultur an. Ihnen begegnen wir, zur Erfahrung geronnen, aus ihr erneuert. Das Gedächtnis verbindet uns mit kollektiven Mächten, zumal wenn in ihm auch mythische Bilder aufgerufen werden. Der Künstler kehrt zu den magischen Wurzeln von Geometrie und Architektur zurück, indem er in seinem Raumkonstellationen die poetischen Tiefen der Ortserfahrunge auslotet. Enrique Mestre konzipiert mit asketischer Verinnerlichung Räume, deren Gestalt und Inhalt aus geheimnisvollen Tiefen steigen, eher Innenansichten nächtlicher Welten. Sie vereinen Geschichte und Utopie, Strenge und Intuition in Kunstwerken, die auch bei bescheidenen Ausmassen ihre stille, unpathetische Monumentaltität entfalten. Die Natur spricht aus ihrem Material - Form und Inhalt sind Ausdruck unserer Kultur, unserers Denkens. Mit seinen architektotnischen Plastiken gibt uns Enrique Mestre Einsichten in verschlüsselten Dimenstionen zeichenhafter Architektur und macht sie zum Ort der Erinnerung. Thales und Plato leben in uns weiter.

Enrique Mestre geboren 1936, lebt und arbeitet in Alboraia (Sp)
Webseite

Christof Sonderegger Lydog’s Land 15.2.1997–23.3.1997

Das Schaffen von Christof Sonderegger basiert auf keiner Theorie. Es gründet vielmehr in den geistigen Voraussetzungen, die zu bestimmten gestalterischen Überlegungen geführt haben, und es gründet weiterhin in der visionären Kraft, mit der die Möglichkeiten uns Auswirkungen von künstlichem Licht erprobt werden. Sonderegger bedient sich einer technischen Errungenschaft der modernen Welt, indem er elektrisches Licht in Form von Neonröhren verwendet. Die Bejahung und ausslichliche Anwendungen von industriell genormten weissen Leuchten bewahrt in vor den dekorativ unterhaltenden Aspekten des Lunaparks. Vom Nachtleben berichten sie dennoch: "Kunstlicht macht die Nacht der Grossstädte zum Tag".

Christof Sonderegger geboren 1964, lebt und arbeitet in Bouquet

1996
Jürgen Knubben Stahlplastik 7.9.1996–20.10.1996

Sieben Leiter-Skulpturen hat Knubben für die Kunsthalle geschaffen. Hier verhindert die Formgebung, die Skulpturen als nützliche Dinge, als Leitern zu benutzen. Die "Eckleiter" besteht aus zwei im rechten Winkel zusammengefügten Leitern, die den mittleren Holm gemeinsam haben. Sie vermag frei zu stehen, ebenso wie ihre in der Mitte um 90 grad abgewinkelte Schwester, die mit ihrem waagrechten Teil ihrerseits an die optisch undinhaltlich verwandte Bahnschiene erinnert. Eine gebogene Leiter, be der die Holme ein Kreissegment bilden - wie der Teil eines Tretrades - und eine S-för,oge Variante lehnen an der Wand.

Jürgen Knubben geboren 1955, lebt und arbeitet in Rottweil
Webseite

Doris Naef Im Licht der Erinnerung 8.6.1996–14.7.1996

Die biografischen Stationen im Leben von Doris Naef drücken sich in ihrem Werk, genauer: in formalen Wandlungen ihrer Arbeiten aus. Erinnerungen aus der Kindheit wie das lichtdurchflutete Mittelmeer, später Reiseerlebnisse und Studienaufenthalte in Kanada, Südamerika und Asien fliessen in die Werke ein. Die in den USA verbrachten Jahre von 1982 bis 1990 bringen ihr die nachhaltig wirkende Begegnung mit der Malerei des abstrakten Expressionismus. In grossformatigen Leinwandbildern verarbeitet sie diese Erfahrung; sie experimentiert mit einer warmen Farbpalette und einem stark strukturierten, ins Taktile weisenden Farbauftrag. Den Rahmen der Zweidimensionalität hat die Künstlerin inzwischen längst gepsrengt, aber sie bezeichnet sich noch heute zuerst als Malerin. Mit Farben und Form erforscht sie ihre Umgebung und schaffr eine atmosphärische Einheit.

Doris Naef geboren 1948, lebt und arbeitet in Weinfelden
Webseite

Peter Wüthrich ohne Titel 13.4.1996–26.5.1996

"Es war einmal..." ein Mensch, der erfand das Buch, um all die Antworten auf die ewige Frage festzuhalten, weshalb die Welt so ist, wie wir uns darin erleben. Wenn Bücher die Geschichte und Erklärungen unserer Welt erzählen, verkörperte eine universale BIbliothek das konservierte Gedächtnis der denkenden Menschheit. Unser ganzes Wissen wäre darin gespeichert. Auch das Buch als Medium hat seine gewaltige Geschichte. Das macht es zu einem der aussagekräftigsten und komplexesten Symbole überhaupt. An diesem Punkt hakt Peter Wüthrich ein, wenn er es wiederum als ideenvermittelndes Zeichen im Kunstwerk sprechen lässt. Dem Buch ist dann auch die Ausstellung in Wil gewidmet.

Peter Wüthrich geboren 1962, lebt und arbeitet in Bern
Webseite

Wolfgang Häckel Verbaute Illusionen 10.2.1996–31.3.1996

Mit einem grossen Modell der Kunsthalle im Massstab 1:5 als Architektur im Inneren jener Architektur setzt Wolfgang Häckel der Kunsthalle ein Denkmal. Durch die Fenster sehen wir eine Inszenierung des Künstlers. Die Kunsthalle als Symbol für Kunst wird ironisch in Frage gestellt und ihre Problematik angedeutet. Zwar wird sie als Monument vom profanen Boden abgehoben. Aber die geradezu surreale Substraktion, ein in Verwirrung geratenes Gestänge, teilweise geknickt und eher davonschreitend als Stabilität vermittelnd, steht wie andere ELemente in den Zeichnungen metaphorisch fpr eine Kunst, die ohne breite Unterstützung in einer Zeit mostalgischer Rückbesinnung auf die Vergangenheit überleben muss.

Wolfgang Häckel
1943 - 2002

Beni Salzmann / Max Zeintl Im Spiel der Kräfte 11.11.1995–14.1.1996

Durch Einfallsreichtum und die ungewohnte Anwendung von Stahl in ihrem plastischen Schaffen, das die traditionelle Kunstgattung sprengt, nehmen die Künstler Salzmann und Zeintl innerhalb der schweizerischen Eisenplastik einen festen Platz ein. Gemeinsam finden sie ihre Konzepte und erarbeiten die Realisierung. Ihr persönliches Gestaltungsprinzip verbindet das Eingehen auf eine spezielle örtliche Gegebenheit und das Reagieren darauf mit Elementen die einen umbegungsbezogenen Dialog ermöglichen. Wichtig für ihre Arbeit und die sich daraus ergebende Situation ist der Einsatz von Stahl, zumeist Federstahl, der bewegt werden kann, der sich unter Ausnützung seiner physikalischen Eigenschaften, wie zum Beispiel der Federkraft, bewegt.

Beni Salzmann / Max Zeintl
Salzmann Berhard (1957)
Zeintl Max (1961)
Künstlerische Zusammenarbeit seit 1983, leben und arbeiten in Wil

1995
Helmut Sennhauser ohne Titel 9.9.1995–22.10.1995

"Natur" ist die grosse Referenz, auf die sich alle gestalterischen Elemente im Schaffen von Helmut Sennhauser zurückführen lassen. Seiner schöpferischen Intuition entspringt die Einheit zwischen Form und Inhalt. Sie muss für jedes Werk neu gefunden und sorgfältiger Arbeit in das Material umgesetzt werden. Seine Zeichnungen und Plastiken versteht er als autonome Werke - die Zeichnungen sind nicht lediglich Skizzen zu plastischen Arbeiten, und letztere dienen nich als Vorlage für Bilder.

Helmut Sennhauser geboren 1958, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Monika Rutishauser Imagining my place 20.5.1995–9.7.1995

Die von der Künstlerin für Wil gewählte Einrichtung entspricht den Bedürfnissen von Menschen, die ehemalige Industrieräume zu ihrem Wohnort umfunktionieren. Romantisch veranlagte Bewohner werden andere Rückzugmöglichkeiten für ihre privaten Südseeträume suchen. Doch einmal aus der Gesamtinszenierung in der Kunsthalle herausgelöst, bieten Rutishausers Bilder Anlass zu grundsätzlichen Gedanken über den Themenkreis Wohnwelt und Behaustsein.

Monika Rutishauser geboren 1963, lebt und arbeitet in Zürich

Simon Beer All you need is love 11.2.1995–26.3.1995

Was Simon Beer auszeichnet, ist die Fähigkeit, Kunstwerke zu schaffen, die nicht nur kommentierend sich von der Welt distanzieren, sondern auch als eigener Wert an ihr teilnehmen und diese Ambivalenz als ästhetische Qualität im Werk verarbeiten. In seinem konzeptuellen Denkraum fängt er Realität ein und setzt sie um in die Allegorie: das Moederne - die Installation - und das Konservative - die Emblematik -, verbunden unter dem Sinnspruch: "All you need istlove".

Simon Beer geboren 1964, lebt und arbeitet in Zürich und Bordeaux
Webseite

Rahel Müller Im Wandel find ich Spuren 12.11.1994–15.1.1995

Was Rahel Müller in ihren Zyklen, Triptycha oder mehrteiligen Bildern erzählt, kommt aus den Schichten archaischer Inhalte, die sich im Menschen erhalten haben, das sich im Bezug zu Kosmos und Chaos, zum Oben und Unten, zum Himmlischen und Irdischen als Ring vollendete. Es sind von Rahel Müller erschaute, durchlebte und erfühlte Werke. Zu ihrer Realität gehört aber auch das Sprechen der Bilder von den zerbrochenen Parabeln im Bewusstsein des modernen Menschen; jenem feinen Riss, der sich durch die Gleichzeitigkeit beider Welten zieht, die in uns lebendig sind: das Nachleben archetypischer Mythen und die Erfahrungen der Gegenwart, die Innen und Aussenwelt, die unser Dasein bestimmen. Diese einander bedingenden Polaritäten des Lebens aus einer Gefühls- und Erlebniswelt, in der Individuelles und Überpersönliches, Aktueller und Mythisches miteinander Verschmelzen, fasst Rahel Müller in BIld gewordene Metaphern poetischer Einbildungskraft.

Rahel Müller geboren 1964, lebt und arbeitet in Pfyn
Webseite

1994
James Licini Stahlbau 27.8.1994–30.10.1994

"Stahlbau" nennt James Licini seine Arbeiten, die er aus Doppel-T-Trägern unterschiedlicher Dimensionen konzipiert. Dies ist das Material, das zumeist im Verborgenen als Skelett für heutige Architektur Verwendung findet und zumindest einmal im Centre Pompidou gestalterisch sichtbar eingesetzt worden ist. Die Elemente, die in tragender oder stützender, jedoch stets dienender Funktion als Brücke oder Stahlgerüst gebraucht werden, dürfen sich, befreiten Atlanten gleich, im "licinischen Stahlbau" in kraftvoller und gewichtiger Schönheit selbst darstellen. James Licini erlebt im Stahlbau die Kraft des Geordneten, des auf einer klaren Logik und Gesetzmässigkeit aufgebauten Systems, das er in Plastiken von architektonischer Ordnung und kubischer Dichte fasst.

James Licini geboren 1937, lebt und arbeitet in Zürich

Kathi Müller-B Vielen gehört mein Dank 25.6.1994–21.8.1994

In den Räumen der Kunsthalle arbeitet Müller-B- mit dem Modell des mittelalterlichen Systems von "Bauhütte" und "Kathedrale". Die Installationen in der Kunsthalle, am Ausstelungsort hergestellt und aufgebaut, macht diesen zur Stätte der Kreativitäte und des Geschehens und ist darüber hinaus als ein Modell für gesellschaftliche Zusammenhänge und soziale Verhaltensmechanismen anzusehen.

Kathi Müller-B geboren 1953, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Stefan Kreier Entnahmen 11.12.1993–15.1.1994

Mit seinem künstlerischen Schaffen umkreist der Bildhauer Stefan Kreier das Menschsein mit seinen facettenreichen Aspekten formal und inhaltlich. Das zentrale Anliegen ist der Mensch mit seinen Mythen und Befindlichkeiten, aber auch die körperliche Existenz auf dem vorgezeichneten Weg zwischen Geburt und Tod. Diesem Dazwischen, dem Leben, gibt er Gestalt in Form seiner figürlichen, aus Stahlblech getriebenen Plastiken von expressiver körperlicher Gestimmtheit. Das gegenständliche Schaffen umfasst die das Surreale streifenden Gemälde und die erwähnten statischen Plastiken, die als Aufträge für den öffentlichen Raum zumeist in Verbindung mit Architektur entstehen. Dies stellt die eine Seite des gestalterischen Werkes von Stefan Kreier dar, aus der sich die andere in freierer Form herleitet. Der Mensch dient nicht nur als Modell, er wird selbst köerperlich in die Arbeit einbezogen.

Stefan Kreier geboren 1956, lebt und arbeitet in Eschlikon
Webseite

Toni Calzaferri Entnahmen 11.12.1993–15.1.1994

Auf seinen Streifzügen durch die Landschaft, auf der Schwägalp, in Ausstellungen, sieht Toni Calzaferri Natur, Häuser, Kunstwerke, das was wir alle sehen. Er nimmt jedoch an sich belanglose Details - an Hausmauern gelehnte Schneebesen, Rohre bei einer Baustelle - als kleine optische Erlebnisse wahr, die er speichert und in Erinnerung behält. Er ist viel in Bewegung, auch in seinen Gedanken, gerade während der intensiven Zeitspanne vor der Ausstellung in der Kunsthalle Wil. Dies ist die Zeit des Unterwegsseins - noch sind die Ideen nicht konkret, der Hallenraum ist nicht erlebt, um auf ihn reagieren, ihn verändern zu können. Noch harrt dieser der erforschenden Eroberung.

Toni Calzaferri
1947 - 1999

1993
Felix Brunner Signale einer Orientierung 16.10.1993–13.11.1993

Kunst, wie sie Felix Brunner versteht, ist zuerst und vor allem ein labiler Seismograph der Zeitbefindlichkeit. Im Umgang mit den Stoffen, Medien und Bildern der heutigen Welt gestaltet der Künstler materielle Zeichen als Grundlage für ein poetisches Weiterdenken in Worten und Bildern. Gerade wenn Zeichen vor allem subjektive Bedeutungen haben, als projizierter Sinn funktionieren, reiben sie sich an ihrer allgemeinen, strukturell geregelten Bedeutung, ohne die sie nicht als Zeichen existieren würden. Das Symbolische oder die Sprache existieren als Struktur, als eine Ordnung, die die Art und Weise regelt, die die Welt in der Form von Gegenständen in die transparente Wahrnehmung eintritt. Die unmittelbare Bedeutung der Wahrnehmungsbilder und Vorstellungen erweist sich allerdings als trügerisch, denn die historisch-gesellschaftliche Ordnung der Dinge muss hinterfragt werden.

Felix Brunner geboren 1952, lebt und arbeitet in Basel
Webseite

Dieter Schosser Welt als Farbe und Klang 21.8.1993–18.9.1993

Kunst ist ein Zusammenspiel von drei Faktoren - dem Künstler, seiner Welt und den Mitteln der Darstellung. Als Synthese aus Natur und menschlichem Bewusstsein gewinnt sie eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den beiden Elementen, indem sie im Kunstwerk ein Eigenleben findet. Der Künstler - meine Augen - gibt seine Sicht der Dinge wieder. Bei Dieter Schosser entspricht das seiner inneren Sicht, seinen Visionen, und darauf reagieren wir Betrachter mit unseren Augen - deine Augen -, unserem Wissen und unseren Vorstellungen. Unterschiedliches Sehen, verschiedenes Empfinden, individuelle Augen lassen in uns Bilder entstehen und fühlen, die des Künstlers Augen nicht wahrgenommen haben. Dieser versucht sich in seinem Kunstwerk zu finden und wir Betrachter können uns darin verlieren, um uns verändert in die reale Welt zurückzufinden. Von allen Künsten gelingt diese Wandlung der Musik am unmittelbarsten.

Dieter Schosser geboren 1955, lebt und arbeitet in Friedrichshafen

Jörn Kausch Vom Einfachen, das schwer zu machen ist 21.8.1993–18.9.1993

Der Versuch, einer chaotisch erlebten Welt eine Ordnung aus reinen Elementen und ausgewogenen Beziehungen entgegenzusetzen- als Bewältigung des Unergründlichen und Unverständlichen unserer Existenz-, gelingt Jörn Kausch mit seinem Schaffen. Er bedient sich dabei des Repertoires der Geometrie, die nichts anderes ist als ein Mittel, die Stringenz seiner Arbeit zu steigern. Stringenz, das bedeutet in diesem Fall die Suche nach feinen Interferenzen, nach dem Dazwischen ebenso wie nach elementaren Einheiten. Im Bewusstsein, dass Kunst eine irrationale Qualität haben muss, wie rational auch die Methoden sein mögen, um sie hervorzubringen, gibt er Formen Gestalt, die sich auf ihren Sinn befragen lassen, die aber auch ihre Autonomie postulieren und dabit dem Kunstwerk etwas von seinem Geheimnis und seiner Unerschöpflichkeit bewahren.

Jörn Kausch geboren 1953, lebt und arbeitet in Rastatt
Webseite

Roman Signer Furcht 3.4.1993–1.5.1993

Roman, Hesch du nie Schiss?
Jo mengmol scho...

Am meisten Angst habe ich, dass etwas nicht funktioniert.
Nach einer Aktion bin ich immer schlauer als vorher.

Roman Signer geboren 1938, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

Yach Poststation Sehnsucht 6.2.1993–6.3.1993

Der "mediatisierte", von optischen Reizen überflutete Mensch steht im Brennpunkt des Schaffens von YACH. Mit Video arbeiten heisst für sie, das Medium durch sich selbst zu befragen, dessen Auswirkungen auf die Menschen im Alltag aufzudecken und in Frage stellen.

Yach
Kollektiv Yegya Arman (1958) und Christine Hunold (1959)
Zusammenarbeit seit 1988 
leben und arbeiten in Zürich
Webseite

Hans Thomann Die Frage nach Werden, Sein und Vergehen 5.12.1992–9.1.1993

Der sterbliche, von Mythen begleitete Mensch mit seinen archaischen Zeichen steht im Zentrum des Schaffens von Hans Thomann. Die symbolhaften, mehrschichtigen Zeichnungen, Kaltnadelradierungen und Skulpturen stellen die bis zur Schmerzgrenze vordringenden, bohrenden Befragungen nach dem Dasein, seiner Beschaffenheit, den Geheimnissen von Herkunft und Vergehen dar. Ebenso instensiv beschäftigt ihn das Erleben und Erlebbarmachen von geistig-seelischen Kräften ausserhalb des Sinnlich-Wahrnehmbaren. In Symbolen verdeutlicht uns der Künstler die Idee der Dinge durch das Wiederbeleben des Vergessenen und Verbogenen. Selbst Erlebtes setzt er in schöpferischer Handlung um zu neuen Bildern.

Hans Thomann geboren 1957, lebt und arbeitet in St. Gallen
Webseite

1992
Stöckerselig Einblick - Transparenz - Einsicht 10.10.1992–7.11.1992

Das Künstlerpaar STÖCKERSELIG lebt in Amriswil, wo es naturverbunden, eine ehemalige Fabrik als persönliches Refugium bewohnt. Die Künstler arbeiten in ihrer eigenen Welt, sich nach aussen sehr wohl orientierend aber nach innen suchend. Ihr Alltag wird vollkommend durchdrungen von den miteinander geschaffenen Werken, die stets auch eine bestimmte Lebenssituation darstellen. Kunst und Leben fliessen ineinander als absolute Hingabe an ein Tun, das als Suche nach dem gemeinsamen Ausruck, mach Symbiosestrebt, ohne die individuelle Persönlichkeit aufzugeben.

Stöckerselig
Annette Stöcker, 1962 und Christian Selig, 1954
leben und arbeiten in Zürich und Amriswil
Webseite

Ursula Hirsch Notenblätter 22.8.1992–19.9.1992

Die "Notenblätter" bilden als "Hommage" an sieben Blasinstrumente die konsequente und konzentrierte Fortsetzung der Ausstellung in Brugg. Im realen Raum befinden sich Installationen, Materialanordnungen, gegeben als Notenbilder für die entsprechenden Instrumente unterschiedlichster Timbres und Richtungen wie Jazz, Klassik und Volksmusik. Die verwendeten neu und industriell hergestellten Formteile sind an sich so unpersönlich wie die einzelne Note, erst im speziellen Zusammenhang und in ihrer räumlichen Konstellation werden sie zu klingenden Zeichen einer Melodie. Mit ihren Installationen, in die das Instrument, dem die "Noten" gewidmet sind, stets integriert ist, bringt Ursula Hirsch nicht nur das spezifische Klangbild anschaulich zur Darstellung, sondern auch die besondere "Psyche" des Instrumentes uns seinen Stimmungscharakter, der sich vermischt mit Erinnerungen an bestimmte Gefühlsregungen und Interpreten.

Ursula Hirsch geboren 1954, lebt und arbeitet in Zürich
Webseite

Roman Buxbaum In meinen Augen 6.6.1992–11.7.1992

Roman Buxbaum: "Die Bodeninstallation, die ich hier in Wil im grossen Raum zeige, besteht aus gedruckten Fotos des Innern meiner Augen - also der Netzhaut meines linken und rechten Augapfels. Der Mediziner sieht den "blinden Fleck" - also den Sehnerv mit den Blutgefässen und die "macula", den kostbarsten Quadratmillimeter des menschlicken Körpers, den Ort des scharfen Sehens, ohne den die Welt für den Menschen grau und unscharf wäre. Für den Laien sieht all das aus wie eni Spiegelei, oder ein Hühneremryo. Der wissenschaftliche Augapfel ist bar jeder Mystik: Licht wird in Stromstösse zerlegt und zum Gehirn weitergeleitet - nichts Magisches. Der Raum wird auf der Augeninnenfläche abgebildet und die Sehrinde konstruiert aus den beiden flachen Netzhautbildern die stereoskope Illusion eines Raumes - ein Konstrukt!"

Roman Buxbaum geboren 1956, lebt und arbeitet in Baden

Claude Gacon Experimente die gelingen 11.4.1992–9.5.1992

Die Faszination der Kugel machen für Claude Gacon - er spricht von einer "Kugelobsession" - die unerschöpflichen Material- und Gestaltungsvarianten aus, die trotz einer strengen formalen Klassifizierung eine chaotische Vielfalt von Bedeutungsgehalten zulassen. Seit den achtziger Jahren sammelt er vorgefundene oder selbstgemachte Rundobjekte zwischen Klumpen, Knollen, Knäueln und Kugeln jeglicher Spielart, die er auch prozessuellen Veränderungen unterzieht. Verschiedenste Materialien, Abfall, Erde, Fensterkitt etc. bringt er unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Techniken auf einen gemeinsamen Nenner: in der Form der Kugel als gemeinsames Ordnungsprinnzip.
In der Kunsthalle Wil thematisiert er die Umwandlung und Deformierung der Kugel, wobei der Änderungsprozess während der Dauer der Ausstellung sichtbar abläuft.

Claude Gacon geboren 1956, lebt und arbeitet in Basel

Jörg Lenzlinger Experimente die gelingen 11.4.1992–9.5.1992

Meine Strassenumfrage nach einer Definition zu Gift ergab diese Antworten (Auszug):
– um Gottes Willen
– Fomamzleute und Pilze
– die Bremse der Schöpfung
– als Cleopatra sterben wollte, liess sie sich von einer Giftschlange in die Brust beissen - sagt man
– ich weiss es nicht
– da war doch eine Geschichte mit einem Apfel
– Gift ist Geschwindigkeit
– man muss mit einer Maske legen können um die Antwort nicht zu geben
– das was man nicht haben sollte - am besten es würde nicht existieren

Jörg Lenzlinger geboren 1964, seit 1997 Zusammenarbeit mit Gerda Steiner
Webseite

René Ràcz Experimente die gelingen 11.4.1992–9.5.1992

In seinen Installationen verwendet René Ràcz natürliche Materialien, Zucker und Bambus, seit 1990 Milch und Milchpulver, als für ihn gültige Medien. Diese unterzieht er verschiedenen Prozessen und macht sie so zum Träger seiner Anliegen, seiner persönlichen Befindlichkeit. Wahrnehmung und Erkenntnis werden nicht wiedergegeben, sondern veranschaulicht durch chemisch-physikalische Prozesse als sichtbar ablaufende Reaktionen. Zucker und Milch weisen als Energiespender grundsätzlich auf Leben hin. Die Bipolarität von Energie als produktiv-aufbauende oder destruktiv-zerstörerische Kraft ist als werkimmanentes Prinzip stets präsent.

René Ràcz geboren 1963, lebt und arbeitet in Basel

Teres Wydler Experimente die gelingen 11.4.1992–9.5.1992

NAVIGATION: Eine Installation mit Weizen , Schwefel, Mikroorganismen
Synergie - für die Künstlerin ein Schlüsselwort - wird mit der Installation "Navigation" wahrnehmbar realisiert für all jene, die bereit sind, sich in den kosmischen Rumen zurechtzufingen.

Teres Wydler geboren 1945, lebt und arbeitet in Zürich und Intragna
Webseite

Beat Feller Skulpturen 8.2.1992–7.3.1992

Beat Feller geboren 1955, lebt und arbeitet in Burgdorf
Webseite

Guido von Stürler Einige Formen und Stellen 14.12.1991–11.1.1992

Guido von Stürler geboren 1956, lebt und arbeitet in Eschlikon
Webseite

Sibylla Egli ohne Titel 14.12.1991–11.1.1992

Sibylla Egli geboren 1955, lebt und arbeitet in Schaffhausen

1991
Daniel Gaemperle Schisma 2.11.1991–30.11.1991

Die Kunst von Daniel Gaemperle entsteht in der Abgeschiedenheit seines Ateliers in Kleinlützel. Er arbeitet zyklisch. Nach der intensiven Beschäftigung mit einem zumeist religiösen Thema, in das er sich geistig und zeichnerisch richtiggehend versenkt und einarbeitet, fliessen die Bilder seiner inneren Vorstellungen wie ein Strom angestauter Energie in spontanem, aber kntrolliertem Gestus auf die Leinwand. Er gestaltet Werkreihen zu Noah und Hiob und setzt sich nun in seinen neuen Arbeiten mit dem Begriff "Schisam" auseinander.

Daniel Gaemperle geboren 1954, lebt und arbeitet in Kleinlützel
Webseite

Alfred Sturzenegger Die ewiger Skulptur 6.9.1991–4.10.1991

Alfred Sturzenegger geboren 1945, lebt und arbeitet in St.Gallen

Schliessen
Aktuelle Ausstellung
Guido von Stürler Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt 2.5.2026–28.6.2026

Alles hängt mit allem zusammen – dieses Wissen des Naturforschers Alexander von Humboldt bildet den Resonanzraum für die Ausstellung «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» von Guido R. von Stürler in der Kunsthalle Wil. Vierzig Jahre nach seiner Mitwirkung an der legendären Ausstellungsreihe Hier & Jetzt (1986/87), die den Grundstein für die Gründung der Kunsthalle Wil legte, kehrt der Künstler mit einer umfassenden Werkübersicht zurück, die frühe Arbeiten der 1980er- und 1990er-Jahre mit aktuellen Werkgruppen verbindet.

Von Stürlers künstlerische Praxis bewegt sich seit jeher im Spannungsfeld zwischen Organischem und Anorganischem, zwischen Körper, Technik und gesellschaftlichen Strukturen. Seine skulpturalen Werke sind keine abgeschlossenen Objekte, sondern meist offene Systeme – sie atmen, reagieren, transformieren. Dieses Denken in Prozessen, Verbindungen und Übergängen prägt sein gesamtes Werk und wird in der Ausstellung sichtbar als vielschichtiges Netz aus Vergangenheit und Gegenwart, Materie und Code, Idee und Resonanz.

*1956, aufgewachsen in Sydney AUS, lebt und arbeitet seit 1985 in Wallenwil TG, www.grvonstuerler.com

Guido von Stürler Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt 2.5.2026–28.6.2026
Vorschau
Myriam Gämperli Das Surren trägt Hufe 15.8.2026–27.9.2026

Myriam Gämperlis Arbeiten knüpfen an eine surrealistische Tradition des Arrangements an. Die augenzwinkernde Mischung aus zu Erkennendem und Unvertrautem erzeugt einen Charme, der ihre Inszenierungen charakterisiert.

Gämperli schafft einen Raum, in welchem Hierarchien hinterfragt, die Schwerkraft überwunden und Körper von ihren Begrenzungen befreit werden. Meist setzt sie sich selbst, als hybrides Wesen bzw. Mischform von Objekt und Subjekt, in Szene. Die skulpturale Performance ermöglicht es ihr, multiple Identitäten einzunehmen, die sich über die Achsen von Natur, Geschlecht und Vorstellungen von Schönheit auffächern. Die bühnenartigen Sequenzen werden vom Alltag der Künstlerin inspiriert, der sich zwischen dem urbanen Raum Zürichs und der Natur Bettenaus SG abspielt. Kontrastierende Elemente manifestieren sich in Gämperlis Collagen, Malereien, Installationen, Performances und Tänzen wiederholt. Sie spiegeln autobiografische Erfahrungen: aufgewachsen in einem Weiler von 75 Einwohner*innen, hat sie in Städten wie London, Berlin und Zürich gelebt. Die unterschiedlichen Erfahrungen mit Randgruppen und Subkulturen an der Schnittstelle von Kunst und Brauchtum prägen sie bis heute.

*1982, aufgewachsen in Bettenau bei Jonschwil SG, lebt und arbeitet in Zürich, www.myriamgaemperli.ch

Christian Meier Masters of the Universe 17.10.2026–13.12.2026

Seit dem Wahlpflichtfach «malen in Öl» im Gymnasium bei Pater Gedeon, ist Malerei sein Lieblingsmedium. Seit dem Studium der Malerei ist Matrix sein Lieblingsfilm und die Frage, ob es den Löffel gibt, seine Lieblingsfrage. Die Frage hat in seither nie wieder losgelassen.

*1978, lebt und arbeitet in Appenzell, www.8moe.ch

Aina Rea Aliotta, Harvest Salon (Livni Holtz und Nicolas Seiler ) Ina Egger , Laura Veenemanns, Linus Lutz, Mara Röllin INDEX, JUNGE Kunsthalle Wil 26.12.2026–17.1.2027

JUNGE Kunsthalle Wil, die neue Plattform, die jungen Kunstschaffenden Raum gibt ihre Arbeitsweisen und künstlerischen Prozesse sichtbar  zu machen. Unter dem Titel Index präsentiert die erste Ausgabe Fragmente, Spuren und Übergänge, die den Entstehungsmoment von Kunstwerken in den Fokus rücken.

JUNGE Kunsthalle Wil versteht sich als Ort des Dialogs: Junge Kuratorinnen und Künstler*innen treten miteinander in Austausch, greifen aktuelle Themen auf und geben Einblick in die Vielfalt zeitgenössischer Kunstpraxis. Nicht das fertige Werk steht im Zentrum, sondern der Weg dorthin – die Bewegungen, Zweifel, Richtungswechsel und Ideen, welche die Arbeit formen.

Der Begriff Index zeigt sich in verschiedenen Nuancen. Es kann ein Verzeichnis sein, das Informationen sichtbar und erfassbar macht. Auch kann es eine Veränderung über die Zeit aufzeigen. Zudem existiert die Verbindung zum Indexfinger (Zeigefinger), der auf etwas deutet. Eine Geste, die unsere Aufmerksamkeit lenkt. Ein Hinweis, der uns hilft, offenzulegen, mitzuteilen und zu hinterfragen.

Mit JUNGE Kunsthalle Wil entsteht ein jährliches Format, das jungen kreativen Positionen eine Plattform bietet und neue Perspektiven auf künstlerisches Arbeiten eröffnet.

Konzept und Kuration: Enya Bains und Eva Guler

Kunsthalle Wil, Grabenstrasse 33, 9500 Wil. Ausstellungen Veranstaltungen Besuch Multiples Aktuelle Ausstellung: Guido von Stürler Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt 2.5.2026–28.6.2026